Das Geschehen in Genf wird unerwartet von einem brisanten Konflikt auf dem amerikanischen Kontinent überschattet.[1] Wie die Washington Post berichtet, ist das mittelamerikanische Land Nicaragua mit einer offiziellen Beschwerde gegen Mexiko an den Völkerbund herangetreten.[1] Mit diesem ungewöhnlichen Schritt wird die internationale Organisation erstmals in einen Streit zwischen amerikanischen Staaten hineingezogen.[1]

In der in Genf eingereichten Protestnote erhebt die nicaraguanische Regierung schwere Vorwürfe gegen die mexikanische Administration unter Präsident Plutarco Elías Calles.[1] Nicaragua wirft Mexiko vor, eine illegale Freibeuterexpedition auszurüsten.[1] Nach Angaben der amerikanischen Zeitung soll ein mexikanisches Hilfskriegsschiff nicaraguanische Revolutionäre bei ihrem Versuch unterstützen, die amtierende Regierung gewaltsam zu stürzen.[1] Die spanische Zeitung El Sol berichtet ebenfalls von einer bewaffneten revolutionären Bewegung, welche das Land in Mittelamerika derzeit erschüttert.[2]

Trotz der Schärfe der Vorwürfe fordert Nicaragua in seinem Schreiben keine konkreten Maßnahmen des Völkerbundes.[1] Die diplomatische Maschinerie in Genf wurde, ungeachtet dieser Zurückhaltung, dennoch unverzüglich in Gang gesetzt. Sir Eric Drummond, der Generalsekretär des Völkerbundes, hat den Protest sofort an sämtliche Mitgliedsstaaten der Organisation weitergeleitet.[1]

Der Vorgang erhält eine besondere diplomatische Note, da Mexiko selbst kein Mitglied des Völkerbundes ist.[1] Dennoch wurde die Note auch der Regierung in Mexiko-Stadt offiziell zugestellt.[1] Wie die Washington Post abschließend meldet, teilte der Generalsekretär der mexikanischen Führung mit, dass sie nach den geltenden Bestimmungen des Völkerbundes das Recht habe, eigene Stellungnahmen an die Mitgliedsstaaten zu richten, sofern sie dies zur Beantwortung der nicaraguanischen Vorwürfe wünsche.[1]