Der groß angelegte Armee- und Marinetag in Nürnberg droht zu einem eklatanten Misserfolg für die Veranstalter zu werden.[1] Die Erwartungen der völkischen und bayerischen Monarchisten haben sich bisher nicht erfüllt. Stattdessen treten innerhalb der Rechten tiefe Risse zutage.[1] Die Tagung war als Gegendemonstration zu dem machtvollen Aufmarsch des republikanischen Reichsbanners gedacht, der vor vierzehn Tagen stattfand.[1]

Wie der Vorwärts berichtet, beschränkte sich der Fahnenschmuck in der Stadt auf das Bahnhofsviertel und den Stadtkern.[1] In den Vororten blieb das Ereignis unbeachtet — dies belegt die verbreitete Gleichgültigkeit.[1] Die Festleitung versuchte, Erwerbslose durch Zehrgeld zur Teilnahme am Festzug zu bewegen. Dieser Versuch blieb jedoch erfolglos.[1] Auch der Fackelzug am Freitagabend stieß auf Ablehnung: Als die Teilnehmer das Lied „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen“ anstimmten, reagierte das anwesende Publikum stellenweise mit Gelächter.[1] In derselben Nacht zerstörten nationale Randalierer die Krone der städtischen Verfassungslinde.[1]

Unter den Ehrengästen befanden sich etwa 50 Generäle. Dazu zählen Prinz Oskar von Preußen und der ehemalige Kronprinz Rupprecht von Wittelsbach, der als Schirmherr fungiert.[1] General von Mackensen traf nach einem Besuch bei Wilhelm II. in Holland ein. Am Bahnhof wurde er jedoch nur von dreißig Offizieren und kaum 300 Zuschauern begrüßt.[1]

Besonders schwer wiegt der offene Streit im nationalen Lager. Die von Erich Ludendorff beeinflusste Feldpost warnte ihre Leser in einer Sondernummer ausdrücklich vor der Veranstaltung. Sie bezeichnete diese als ein Unternehmen der bayerischen Königsmacher.[1] Eine noch deutlichere Ablehnung äußerte Kapitänleutnant a. D. von Mücke, der bekannte Führer der Emden-Mannschaft.[2] Dem Hamburger Echo zufolge kritisierte Mücke, dass Ludendorff wegen seines Gegensatzes zu Rupprecht von Wittelsbach ausgeladen worden sei.[2] Mücke bezeichnete die Nürnberger Parade als Vorhaben, das vor allem bayerisch geprägt sei und dessen Konsequenzen monarchistisch-reaktionär ausfielen.[2] In einem Seitenhieb auf die ehemaligen Monarchen erklärte er, ein oberster Führer dürfe nicht auf sein Vorrecht verzichten, der eigenen Gefolgschaft „vorsterben zu können“.[2] Da die Taten der Vergangenheit seiner Ansicht nach nicht mit den Forderungen für die Zukunft übereinstimmen, lehne er jede Teilnahme ab.[2]