Die Arbeitsbewegungen in der deutschen Wirtschaft haben sich im Jahre 1925 im Vergleich zum Vorjahr beträchtlich abgeschwächt, wenngleich sich dieser Rückgang bei den Aussperrungen deutlicher bemerkbar macht als bei den Streiks.[1] Dies geht aus der umfassenden Streikstatistik hervor, die Regierungsrat Dr. Huth für die in Kürze erscheinende Ausgabe des Reichsarbeitsblatts zusammengestellt hat.[1]

Laut dem Westfälischen Merkur ist die Zahl der verlorenen Arbeitstage, die als maßgeblicher Gradmesser für die Schwere der wirtschaftlichen Auseinandersetzungen gilt, auf rund 16,5 Millionen gesunken.[1] Im Jahre 1924 belief sich dieser Verlust noch auf über 36 Millionen Tage.[1] Auch die Zahl der betroffenen Betriebe verringerte sich von 29.218 auf 25.214. Die Gesamtzahl der in Mitleidenschaft gezogenen Beschäftigten ging von über zwei Millionen auf 1.128.077 zurück.[1] Der durchschnittliche Umfang der einzelnen Konflikte schrumpfte folglich von 812 auf 429 beteiligte Personen.[1]

Trotz dieser Beruhigung der sozialen Spannungen ist jedoch keine Minderung der Streikdauer festzustellen.[1] Dem Bericht zufolge behaupteten sich die Kämpfe mit einer durchschnittlichen Dauer von 22 Tagen nicht nur auf der Höhe des Vorjahres, sondern überstiegen diese sogar noch um einen Tag.[1] Die Hartnäckigkeit der Auseinandersetzungen ist mithin ungebrochen.[1]

Besonders fällt auf, dass auch im Berichtsjahr 1925 politische Streiks ausblieben.[1] Wie schon in der Vorkriegszeit dienen die Arbeitskämpfe wieder ausschließlich der Erzielung besserer Arbeitsbedingungen und haben ihren Charakter als politisches Druckmittel eingebüßt.[1] Der allgemeine Rückgang der Bewegungen wird dabei vornehmlich auf das Nachlassen der Aussperrungen zurückgeführt. Diese waren im Vorjahr noch maßgeblich durch den erbittert geführten Streit um die Arbeitszeit geprägt.[1]