Auf der jüngsten ökumenischen Konferenz in Bern standen weitreichende moralische und wissenschaftliche Fragen zur Debatte. Wie das Hufvudstadsbladet unter Berufung auf den schwedischen Teilnehmer Pfarrer J. Lindskog berichtet, erwies sich die Zusammenkunft aus mehreren Gründen als bedeutsam.[1]
Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die historische Kontroverse um die Kriegsschuldfrage. Unter den kirchlichen Delegierten herrschte Einigkeit darüber, dass es ein Gebot der Wahrheit und der Gerechtigkeit sei, diese Frage nicht länger als durch das Diktat von Versailles für endgültig entschieden zu betrachten.[1] Vielmehr müsse der gesamte Sachverhalt einer neuen, unabhängigen Prüfung unterzogen werden.[1] Es ist besonders hervorzuheben, dass gerade die anwesenden deutschen und englischen Vertreter in dieser Beurteilung übereinstimmten.[1] Die Konferenz verabschiedete eine Resolution, welche die Öffnung aller relevanten staatlichen und diplomatischen Quellen fordert, um die Ursachen des Weltkrieges objektiv untersuchen zu können.[1] Die Delegierten gehen davon aus, dass dieser Beschluss auch auf den im September stattfindenden historischen Kongress in Oslo von Bedeutung sein wird.[1]
Zur Bekräftigung der Forderung nach wissenschaftlicher Aufarbeitung fasste die Berner Versammlung den Beschluss, ein historisches Forschungsinstitut zu gründen, das fundierte Erkenntnisse erarbeiten soll.[1] Für das erste Jahr dieser Institutsarbeit wurden bereits beträchtliche finanzielle Mittel aus Amerika zugesagt.[1]
Die Konferenz, an der Finnland durch Professor A. Hjelt vertreten war, widmete sich neben der historischen Forschung auch der zukünftigen akademischen Zusammenarbeit.[1] Die Teilnehmer betonten die Notwendigkeit einer engeren Verbindung der theologischen Fakultäten.[1] Ein persönlicher Austausch von Dozenten und Studenten solle helfen, das gegenseitige Verständnis zu vertiefen. Das bloße Studium ausländischer Schriften allein erscheine nicht mehr ausreichend.[1]