Der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft ist durch die kriminellen Machenschaften eines dreisten Gaunerkonsortiums ein außerordentlicher finanzieller Schaden entstanden. Wie der Westfälische Merkur meldet, beläuft sich die erbeutete Summe auf den Riesenbetrag von 400.000 Mark.[1] Die betrügerische Bande bestand nach ersten Erkenntnissen der Behörden aus zwei in Berlin ansässigen Kaufleuten sowie dem litauischen Gütervorsteher der Station Memel.[1] Den Ermittlungsbehörden ist in diesem aufsehenerregenden Fall bereits ein erster Zugriff gelungen. Während die beiden Kaufleute aus der Reichshauptstadt flüchtig sind, wurde der tatverdächtige Gütervorsteher auf seiner Flucht im schweizerischen Zürich verhaftet.[1]

Über die Identität der Täter und die raffinierte Vorgehensweise werden inzwischen weitere Einzelheiten bekannt. Einer Meldung des Harburger Tageblatts zufolge handelt es sich bei den flüchtigen Berliner Drahtziehern um den Kaufmann Krotoschiner sowie einen Rumänen namens Ernest Edelstein.[2] Der in der Schweiz festgesetzte Memeler Gütervorsteher trägt den Namen Rudas.[2] Das Trio bediente sich eines ausgeklügelten Systems fingierter Warensendungen. Hierbei nutzten sie die komplexen Abfertigungsstrukturen der Eisenbahnverwaltung in rücksichtsloser Weise aus.[2]

Die Kriminalpolizei konnte den Ablauf der Schwindeleien bereits in groben Zügen rekonstruieren. Krotoschiner und Edelstein stellten abwechselnd in Berlin Güter für einen nicht existierenden Empfänger zusammen.[2] Sie übernahmen den Transport bis ins ostpreußische Tilsit zunächst als gewöhnliches Frachtgut.[2] Von dieser Grenzstation aus veranlassten die Täter sodann die Weiterbeförderung in das litauische Memel, jedoch unter der Maßgabe der Nachnahme.[2] Auf der dortigen Empfangsstation trat schließlich der korrupte Gütervorsteher Rudas in Erscheinung. Er missbrauchte seine amtliche Position, um das betrügerische Geflecht zum Abschluss zu bringen.[2]

Die Kriminalbehörden fahnden nun intensiv nach den beiden flüchtigen Kaufleuten, deren Spur sich vorerst verloren hat.[1] Durch die Vernehmung des in Zürich inhaftierten litauischen Beamten erhofft sich die Reichsbahn baldige Aufschlüsse über den Verbleib der immensen Beutesumme.[1]