Unter einem enormen Publikumsandrang erlebte das Tempelhofer Feld ein flugtechnisches Ereignis ersten Ranges.[1] Wie die Kölnische Zeitung berichtet, drängten sich wohl an die hunderttausend Zuschauer auf dem Gelände und an seinen Rändern, um dem Großflugtag der Berliner Flughafengesellschaft beizuwohnen.[1] Den unbestrittenen Höhepunkt bildete hierbei die Vorführung des Autogiro, das von dem spanischen Erfinder Juan de la Cierva konstruiert wurde.[1]

Die Maschine besteht im Wesentlichen aus einem gewöhnlichen Flugzeugrumpf, an dessen Bug ein Motor der Marke Clerget mit 130 Pferdestärken arbeitet.[1] Das Besondere an dem sogenannten „Windmühlenflugzeug“ sind jedoch die großen Rotorblätter, die als Tragflächen dienen.[1] Der Konstrukteur legt großen Wert darauf zu betonen, dass sein Apparat kein Hubschrauber ist, da die Rotorblätter nicht vom Motor, sondern allein durch den Fahrtwind in Drehung versetzt werden.[1] Gesteuert wurde die Maschine von dem englischen Fliegerkapitän Courtney, der während des Weltkrieges einst von Max Immelmann abgeschossen worden war.[1]

Der Start vollzog sich nach einem eigentümlichen Muster: Helfer zogen die Rotorblätter mittels eines Kabels ab, ähnlich wie man einen Kreisel in Schwung versetzt.[1] Anschließend benötigte die Maschine eine Anlaufstrecke von höchstens 150 Metern, bevor sie sich erstaunlich sicher in die Luft erhob.[1] Der Pilot zeigte ein Repertoire souveräner Flugmanöver, darunter steiles Hochsteigen und Gleitflüge mit stehendem Motor.[1] Besonders beeindruckend war die präzise Landung, bei der das Autogiro nach nur zehn Metern Ausrollen zum Stehen kam.[1] Beobachter vergleichen die historische Bedeutung dieser Vorführung bereits mit den Flügen von Orville Wright im Jahre 1909 auf demselben Feld.[1] In wenigen Monaten will de la Cierva ein neues Modell präsentieren, bei dem eine Transmission die Rotorblätter direkt mit dem Motor verbindet und so den Startvorgang weiter verkürzt.[1]