Der Abschluss eines Freundschaftsvertrages zwischen Rumänien und Italien steht unmittelbar bevor.[1] Das hiesige Regierungsblatt Indreptarea betrachtet das diplomatische Abkommen in seinen jüngsten Ausführungen bereits als vollendete Tatsache.[1] Die feierliche Unterzeichnung soll anlässlich der in Kürze stattfindenden Reise des rumänischen Ministerpräsidenten General Avarescu (Alexandru Averescu) nach Rom erfolgen.[1]
Wie es aus gut unterrichteten politischen Kreisen der Hauptstadt heißt, dürfte der neue Pakt in seinem Aufbau dem kürzlich abgeschlossenen Abkommen mit Frankreich stark ähneln.[1] Eine endgültige Klärung der überaus heiklen bessarabischen Frage bringt das Vertragswerk dennoch nicht.[1] Der Entwurf sieht lediglich die gegenseitige Sicherung jener Verträge vor, die sich gegenwärtig bereits „in Kraft“ befinden. Dies stellt einen entscheidenden juristischen Vorbehalt dar.[1] Das Bessarabien-Protokoll aus dem Jahre 1920 bedarf zur vollen völkerrechtlichen Gültigkeit jedoch noch der formellen Anerkennung durch eine dritte Großmacht und ist daher rechtlich weiterhin schwebend.[1]
Aus diesem Grunde hat die liberale Presse des Landes entschieden gegen das neue Abkommen Stellung bezogen.[1] Die Opposition vertritt den Standpunkt, dass ein Vertrag ohne ausdrückliche Anerkennung des bessarabischen Protokolls durch Italien den fundamentalen Interessen Rumäniens zuwiderläuft.[1] Daher gilt es in diplomatischen Zirkeln als unwahrscheinlich, dass General Avarescu das Dokument in Rom unterzeichnen wird, ohne zuvor von italienischer Seite konkrete Zusicherungen in der Bessarabien-Frage erhalten zu haben.[1]