In den italienischen Städten offenbart sich dem Reisenden rasch das überschäumende Temperament des Südens.[1] Wie die Sächsische Staatszeitung in einem ausführlichen Reisebericht schildert, sind deutsche Straßen im direkten Vergleich geradezu als still zu bezeichnen.[1] Während hierzulande vor allem Autohupen und rasselnde Räder den Verkehrslärm bestimmen, dominiert in Italien das menschliche Element — ein unentwegtes Rufen, Singen und lebhaftes Sprechen.[1]

Den vielzitierten Ehrennamen als „Land des Gesanges“ trage die Nation laut dem Blatt zu Recht.[1] Man begegnet der Musik allenthalben: Ob in den Olivengärten von Sorrent, bei den Bootsleuten auf Capri oder in den offenen Werkstätten Neapels — die Arbeiter singen ungeniert.[1] Sogar Straßenbahnführer und gewöhnliche Passagiere trällern ihre Melodien, ohne um ihre persönliche Würde besorgt zu sein.[1] Dagegen seien die in Nationaltracht gekleideten Mandolinenspieler nahezu aus dem Straßenbild verschwunden und durch schlichte Bettler mit Drehorgeln ersetzt worden.[1]

Eine bemerkenswerte Sitte zeigt sich überdies in den Theatern, etwa im Politeama Garibaldi in Palermo: Bei beliebten Melodien der Oper stimmt ein großer Teil des Publikums lautstark mit ein.[1] Die ungebremste Lebendigkeit setzt sich bis in die engsten Gassen fort, wo Straßenhändler ihre Waren mit kraftvollen Rufen anpreisen und Hausfrauen ihre Körbe an Stricken aus den Fenstern herablassen, um den täglichen Handel abzuwickeln.[1]