Wie das Berliner Tageblatt meldet, hat Reichspräsident von Hindenburg auf Antrag von Reichsfinanzminister Dr. Reinhold eine umfassende Verordnung zur Umbildung des Reichsfinanzministeriums erlassen.[1] Die in Dietramszell unterzeichnete Verfügung dient dem Vollzug der Reichsverwaltungsreform und zielt auf eine straffere Geschäftsleitung sowie die sparsame Nutzung der Arbeitskräfte ab.[1][2]
Kernstück der Neugliederung ist die Konzentration der gesamten Fachleitung in den Händen eines einzigen Staatssekretärs.[1] Diese Aufgabe fällt Professor Dr. Popitz zu, der bislang das Staatssekretariat für Zölle und Steuern leitete.[1][2] Der bisherige zweite Staatssekretär Fischer scheidet aus dem Amt aus.[1] Seine Expertise bleibt dem Reich jedoch erhalten, da er weiterhin den Vorsitz in der deutschen Kriegslastenkommission und im Aufsichtsrat der Vereinigten Industrie-Unternehmungen A.-G. innehat sowie Mitglied im Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft bleibt.[1][2]
Nach Angaben der Sächsischen Staatszeitung strebt der Umbildungsplan eine drastische Vereinfachung des ministeriellen Apparates an.[2] An die Stelle der bisherigen zehn Abteilungen treten künftig lediglich fünf, die jeweils von einem Ministerialdirektor geführt werden.[1][3] Neben den klassischen Ressorts für den Haushalt, die Zölle und die Steuern werden zwei weitere Bereiche geschaffen: Eine Abteilung für die Angelegenheiten des Versailler Vertrages — darunter die Reparationen und die Reichsentschädigung — und eine Abteilung für gemeinsame und Rechtsangelegenheiten.[1][2][3]
Darüber hinaus ist geplant, die Zahl der Referate um etwa ein Drittel zu mindern, um lästige Doppelzuständigkeiten zu vermeiden und die Geschäftsabwicklung erheblich zu beschleunigen.[2] Die Reform soll in erster Linie Aufgaben und nicht Personen abbauen; § 24 des Reichsbeamtengesetzes findet im Interesse einer strafferen Verwaltung dennoch Anwendung.[1][2] Dieser administrative Umbau fügt sich nahtlos in die aktive Wirtschaftspolitik des Reichsfinanzministers ein, der, wie die Kölnische Zeitung berichtet, erst am Vorabend vor Bremer Wirtschaftsvertretern seine finanzpolitischen Leitlinien bekräftigte.[4]