Die sowjetrussische Führung leitet eine weitreichende innere Neuordnung ihrer Parteijugend ein. Wie aus Berichten der Moskauer Prawda hervorgeht, steht der Komsomol vor einer tiefgreifenden ideologischen Umstrukturierung.[1] Die Parteizeitung bemängelt in unmissverständlicher Form eine unzureichende theoretische Schulung der Jugendkader. Nach Auffassung der Redaktion sind die Jugendlichen dadurch anfällig für abweichende politische Strömungen geworden.[1]

Dem Berliner Tageblatt zufolge soll die Erziehung der kommunistischen Jugend künftig strikter an den orthodoxen Richtlinien der Parteispitze ausgerichtet werden.[1] Eine systematische Überprüfung der Mitgliedschaft wird in Moskau demnach ernsthaft erwogen. Dadurch soll die eiserne Disziplin innerhalb der Organisation wiederhergestellt werden.[1] Diese Neuausrichtung hat offenbar das Ziel, den Komsomol als bedingungsloses Instrument der staatlichen Zentralgewalt zu festigen — dies gilt als deutliches Signal an alle Kritiker der Parteiführung.[2]

Die ideologische Festigung ist eine unmittelbare Reaktion auf die anhaltenden innerparteilichen Auseinandersetzungen in Sowjetrussland.[2] Wie die Kölnische Zeitung in ihrer Analyse der Vorgänge anmerkt, hatten in der jüngeren Vergangenheit Teile der organisierten Jugend erkennbar mit kritischen Fraktionen sympathisiert.[2] Um solchen Tendenzen entgegenzutreten, verschärft die Moskauer Zentrale ihr Vorgehen nun deutlich.[2] Es bleibt abzuwarten, wie sich die straffere Führung auf die innere Struktur der sowjetischen Jugendbewegung auswirken wird, jedoch zeigt der Vorstoß den Willen der Machthaber, künftig abweichende Meinungen innerhalb des eigenen Nachwuchskaders nicht mehr zu dulden.[1]