Dem Sonderdezernat der Kriminalpolizei ist nach ausgedehnten Beobachtungen ein empfindlicher Schlag gegen das Überhandnehmen des Kokainkonsums gelungen.[1] Wie der Vorwärts meldet, konnte eine vielköpfige Bande von Rauschgiftschiebern unschädlich gemacht werden. Deren kriminelle Aktivitäten erstreckten sich über große Teile Europas.[1] In Berlin wurden bislang insgesamt 15 Personen festgenommen.[1][2]
Als einer der Hauptlieferanten der Organisation wurde der Berliner Apotheker Hahn entlarvt und sogleich in Haft genommen.[1] Über den Drogisten Leseritz sowie über einen russischen Staatsbürger namens Michailow versorgte Hahn eine Reihe von Emigranten mit dem gefährlichen Gift.[1] Die Abnehmer, die größtenteils aus Emigrantenkreisen stammten, handelten nicht mit geringen Mengen. Sie erwarben jeweils beachtliche Partien von 300 bis 500 Gramm, um diese entweder auf eigene Rechnung im Inland abzusetzen oder nach Paris und Riga weiterzuleiten.[1]
Die zentrale Figur im internationalen Vertrieb war der ehemalige russische Landwirt Otto von Siewers.[1] Gemeinsam mit mehreren Helfern reiste er wiederholt von Berlin nach Paris, um die verbotene Ware über die Grenze zu bringen.[1] Als Siewers am vergangenen Donnerstagabend aus Frankreich nach Berlin zurückkehrte, wurde er auf dem Bahnhof Zoo von Kriminalkommissar Rebe in Empfang genommen.[1] Die Beamten fanden bei seiner Durchsuchung lediglich einen Rest von zwei Gramm Kokain sowie 25 Centime vor.[1] Die in Paris erzielten Einnahmen in Höhe von rund 10.000 Franken hatte der Schmuggler inzwischen vollständig ausgegeben.[1] Er beabsichtigte, sich in der Reichshauptstadt bei Freunden neue Mittel zu verschaffen, um weitere Schiebungen im Osten vorzubereiten.[1] Dem Vorwärts zufolge brachte Siewers jedoch nicht nur reines Kokain in Umlauf, sondern täuschte seine Abnehmer mit minderwertigen Streckmitteln wie Borax oder salizylsaurem Natron.[1] Die Mehrzahl der nun Inhaftierten gehört russischen Emigrantenkreisen an.[1]