In diesen Tagen erwacht die amerikanische Hauptstadt im Zeichen der Kapuzenmänner. Wie die Washington Post berichtet, vergleicht man die massenhafte Ankunft der Anhänger des Ku-Klux-Klans in Washington bereits mit dem historischen Einmarsch der Faschisten in Rom.[1] Aus allen Teilen des Landes strömen die Mitglieder des Geheimbundes zusammen, um am heutigen Nachmittag in einem gewaltigen Aufmarsch die Pennsylvania Avenue hinabzuziehen.[1]
Bereits in der vergangenen Nacht war die Stadt zum Knotenpunkt eines immensen Verkehrs geworden.[1] Zwischen 25 und 28 Sonderzüge brachten Tausende Delegierte heran, während unzählige, mit dem Grußwort „KIGY“ geschmückte Automobile über die Straßen in die Hauptstadt fuhren.[1] Eine erste, fast 7000 Personen umfassende Vorhut wurde schon am gestrigen Sonntag zu riesigen Zeltplätzen geleitet, unter anderem in den East Potomac Park und auf das Ausstellungsgelände in Arlington.[1] Nach Angaben der Zeitung kam es dort vereinzelt zu Unstimmigkeiten über die erhobenen Stellplatzgebühren. In der Folge wichen viele Besucher auf andere Lagerplätze aus.[1]
Die verschiedenen Bundesstaaten wetteifern offenbar um das eindrucksvollste Auftreten. Dem Blatt zufolge wird allein aus Virginia eine Kolonne von 20.000 bis 25.000 Teilnehmern erwartet, die von sieben Musikkapellen — darunter einer mit beachtlichen 60 Instrumenten — begleitet werden soll.[1] Die Mobilisierung aus West Virginia fällt ebenfalls auf. Aus einem einzigen Bezirk nahe Clifton Forge, der lediglich 2000 Einwohner zählt, haben sich 1000 Personen auf den Weg gemacht.[1] Zudem traf aus Florida ein Sonderzug mit 14 Schlafwagen unter der Führung eines gewissen Kapitäns John J. Garcia ein.[1] Die rund 400 Südstaatler preisen dabei lautstark die Vorzüge ihrer Heimat an.[1] Auch erste Abordnungen aus New Jersey trafen frühzeitig ein.[1]
Besondere Aufmerksamkeit erregen die Symbole der Delegationen. Die Gruppe aus Lemoyne in Pennsylvania führt ein auf einem Lastwagen montiertes ‚kleines rotes Schulhaus‘ mit sich. Die 800 Mann starke Abordnung aus Bridgeport im Staate Connecticut plant, während des Marsches ein menschliches Kreuz zu bilden.[1]
Der eigentliche Aufmarsch unterliegt jedoch strengster Disziplin. Die Führung hat strikte Anweisung erteilt, während des Marsches völliges Schweigen zu bewahren.[1] Wenn die weiß gewandeten Teilnehmer in die Pennsylvania Avenue einbiegen, sollen sie ihre Gesichter dem Gebäude des Finanzministeriums zuwenden, ohne mit den Zuschauern am Straßenrand ein Wort zu wechseln.[1] Zudem wurde angeordnet, ausschließlich die schlichte Ordenstracht ohne Abzeichen oder Verzierungen zu tragen.[1] Neben diesem Aufmarsch hält die Organisation bis Mittwoch geschlossene Sitzungen im städtischen Auditorium ab.[1] Da der amtierende Führer bereits für vier Jahre bestätigt wurde, steht keine Neuwahl an. Es wird jedoch erwartet, dass die amerikanische Religionsfrage den Schwerpunkt der Debatten bilden wird.[1]