Nach den schweren Straßenkämpfen der vergangenen Tage hat General Kondylis (Georgios Kondylis) die Ordnung im ganzen Land wiederhergestellt.[1] Im gesamten Staatsgebiet herrsche mittlerweile vollkommene Ruhe.[2] Über die Zahl der Opfer liegen unterschiedliche Angaben vor. Wie die Sächsische Staatszeitung meldet, sollen in den Gefechten mit der meuternden republikanischen Garde über 500 Personen getötet oder verwundet worden sein.[1] Anhänger des im August gestürzten Diktators Pangalos (Theodoros Pangalos) sprechen dem Westfälischen Merkur zufolge von 23 Toten und etwa 500 Verletzten.[3] Am gestrigen Sonntag fanden in allen Kirchen Athen feierliche Gottesdienste für die Opfer der Donnerstagereignisse statt. General Kondylis besuchte die Verwundeten in den Spitälern, sprach ihnen seinen Dank aus und verteilte Zigaretten.[2]
Das eingesetzte Kriegsgericht hat unterdessen erste Entscheidungen getroffen. Nach Angaben des Berliner Tageblatts wurden all jene Verhafteten freigelassen, die sich nicht aktiv an der Meuterei beteiligt hatten.[2] Unter den Freigelassenen befinden sich die Minister Merkulov und Wostkis sowie die Journalisten Evelpides und Triflakos.[2] Auch die Offiziere Rangabec, Senginis, Spanovangelis und Sotilis wurden auf freien Fuß gesetzt.[2] Da es sich bei ihnen zumeist um Royalisten handele, wird die ursprüngliche Vermutung zurückgestellt, dass die Royalisten sich aktiv in die Kämpfe eingemischt hätten.[2] Die übrigen Inhaftierten — mehrere hundert Offiziere und Zivilpersonen — sollen wegen ihrer Beteiligung an der Meuterei abgeurteilt werden.[1][2] Gerüchte über einen bewaffneten Marsch des Generals Plastiras (Nikolaos Plastiras) auf Athen haben sich als unrichtig erwiesen; der General hielt sich von der Revolte fern und sandte Kondylis ein Glückwunschtelegramm.[1]
Die politische Zukunft des Landes soll nun zügig geklärt werden. General Kondylis beabsichtigt, am 24. Oktober allgemeine Wahlen abhalten zu lassen.[1][3] Er erklärte sich sogar bereit, zugunsten dieser Wahlen mit seinem Kabinett zurückzutreten, machte dies jedoch von der Zustimmung der Parteien zum Proportionalsystem abhängig.[2] Da die Royalisten umgehend Widerspruch erhoben, ist dieser Plan vorerst hinfällig geworden.[2] Trotz dieser politischen Differenzen besteht in Athen kein Zweifel daran, dass Kondylis die angekündigten Wahlen ordnungsgemäß durchführen wird.[2]