Die Entdeckungsgeschichte des amerikanischen Kontinents ist möglicherweise um ein bedeutendes Kapitel reicher geworden. Wie die Sächsische Staatszeitung unter Berufung auf amerikanische Nachrichten meldet, ist die wissenschaftliche Expedition unter der Leitung des Forschers Donald B. Macmillan in diesen Tagen nach Sydney zurückgekehrt.[1] Die Gruppe, welche im Auftrag des Chicagoer Field-Museums die subarktische Tier- und Pflanzenwelt durchforschte, brachte von ihrer Reise aufsehenerregende Erkenntnisse mit.[1] Macmillan erklärte demnach, er habe gewichtige neue Beweise für die Annahme gefunden, dass die Wikinger sich lange vor der historischen Fahrt des Kolumbus in Nordamerika niedergelassen hätten.[1]

Besondere Bedeutung kommt den ausgedehnten Ruinenanlagen auf der Sculpin-Insel zu, die sich in einiger Entfernung von der Siedlung Nain an der felsigen Küste von Labrador befinden.[1] Dort untersuchte der Expeditionsleiter die steinernen Fundamente von zehn bis neunzehn Häusern.[1] Aus der Beschaffenheit und der Größe der Flechten, die das Gestein überziehen, schließt Macmillan, dass das Alter der Überreste auf mehrere Jahrhunderte, wenn nicht gar auf ein ganzes Jahrtausend zu taxieren sei.[1] Zwar konnten während der ersten Untersuchungen noch keine eindeutigen Inschriften oder unzweifelhafte Beweisstücke für die nordländische Herkunft der Erbauer geborgen werden.[1] Die freigelegten Grundmauern weisen jedoch eine erstaunliche architektonische Ähnlichkeit mit jenen wikingischen Überresten auf, die Macmillan zuvor in Grönland studiert hatte.[1]

Eine wesentliche Stütze findet die Hypothese des Forschers in den mündlichen Überlieferungen der ansässigen Eskimos.[1] Laut diesen traditionellen Legenden sollen jene geheimnisvollen Steinhäuser einst von fremden weißen Männern errichtet worden sein, die auf großen Schiffen über das weite Meer kamen.[1] Auffällig ist zudem die historische Bezeichnung, welche die Eingeborenen für diese alte Niederlassung verwenden: Der Name „Tunitvik" bedeutet in der Sprache der Eskimos so viel wie „Ort der Nordmänner".[1]

Um letzte Gewissheit zu erlangen, plant Macmillan bereits für das kommende Jahr eine Rückkehr auf die Insel.[1] Sein erklärtes Ziel ist es, das Grab eines der frühen Siedler freizulegen oder verborgene Inschriften zu entdecken, die den endgültigen Beweis erbringen würden.[1] Für künftige Forschungen wurde unterdessen in Nain eine ständige wissenschaftliche Basis eingerichtet, die Gelehrten fortan einen ganzjährigen Aufenthalt in der unwirtlichen Region ermöglichen wird.[1]