Die maritime Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und dem Japanischen Kaiserreich beschäftigt zunehmend die strategischen Zirkel. Wie der Figaro darlegt, befeuert das in Amerika überaus erfolgreiche Buch The Great Pacific War des britischen Marineexperten Hector Bywater die Furcht vor einem pazifischen Konflikt.[1] Bywater skizziert darin eine japanische Offensive im Jahr 1931, die nach zweijährigem Ringen in ein strategisches Patt mündet.[1] Derlei Szenarien liefern in den Vereinigten Staaten das parlamentarische Rüstzeug, um den Bau neuer Kriegsschiffe zu fordern.[1]
Die Grundlagen der derzeitigen maritimen Ordnung wurden auf der Washingtoner Flottenkonferenz geschaffen, welche die britisch-japanische Allianz beendete und das Verhältnis der Großkampfschiffe auf die Formel 5:5:3 für Großbritannien, Amerika und Japan festlegte.[1] Das Kaiserreich musste in der Folge halbfertige Linienschiffe abwracken und verfügt heute lediglich über zehn solcher Einheiten, während die amerikanische Marine achtzehn Schiffe dieser Klasse in Dienst hält.[1]
Trotzdem hat die Führung in Tokio eine äußerst wirksame Ausweichstrategie entwickelt. Da der Washingtoner Vertrag leichte Schiffklassen nicht begrenzt, bestellte Japan zahlreiche Kreuzer, Zerstörer und Unterseeboote.[1] In diesen Kategorien ist die japanische Marine der amerikanischen Flotte mittlerweile deutlich überlegen — und zieht mit der britischen gleich.[1] Aus diesem Grund drängt Washington nun auf eine neue Konferenz, um die strengen Tonnagebegrenzungen auf alle Schiffstypen auszudehnen.[1]
Dem Pariser Blatt zufolge ist die japanische Flotte jedoch weniger eine offensive Bedrohung für ferne amerikanische Stützpunkte wie die Philippinen, sondern vielmehr eine hochmoderne Verteidigungswaffe.[1] In ihren heimischen Gewässern zwischen Korea und Formosa sei sie dank ausgezeichnet geschulter Besatzungen ein überaus gefährlicher Gegner.[1] Der wahre Kern eines künftigen Konfliktes, so resümiert der Figaro, liege in Chinas Zukunft, da Japans dortige Seeherrschaft ein unmittelbares Hindernis für die amerikanischen Interessen in Ostasien bilde.[1]