In Rom nehmen die Pläne der faschistischen Regierung zur massiven Verschärfung des Strafrechts konkrete Formen an.[1] Wie der *Popolo d'Italia* ankündigt, wird der Ministerrat in Kürze einen Entwurf beraten, der die Todesstrafe in das italienische Rechtssystem wiedereinführt.[2] Nach Berichten der *Sächsischen Staatszeitung* liegt der erste Gesetzentwurf bereits fertig vor.[1] Die Hinrichtungen sollen nach altem sardischen Recht durch Erschießung vollzogen werden.[1] Als todeswürdige Delikte gelten künftig Anschläge gegen den König, den Kronprinzen sowie den Regierungschef, aber auch Verbrechen gegen die Staatseinrichtungen.[1][2] Ferner zielt das Gesetz auf die Führer und Organisatoren von Aufständen sowie auf Agitatoren ab.[1] Um das Gesetz zügig zu verabschieden, wird voraussichtlich eine außerordentliche Sitzung der Kammer einberufen.[2]
Neben politischen Taten soll die höchste Strafe auch für schwere gemeine Verbrechen wie Raubmord, Lustmord und Totschlag im Wiederholungsfalle verhängt werden.[1] Die Aburteilung obliegt künftig einem speziellen Gericht, das sich aus dem Präsidenten des Assisengerichts und vier Berufsrichtern zusammensetzt. Laiengeschworene sind ausdrücklich ausgeschlossen.[1] Diese juristische Verschärfung erfolgt vor dem Hintergrund der jüngsten Attentate. Das *Berliner Tageblatt* meldet, dass der Faschismus sich nun als wehrhaft und bereit zur Abwehr weiterer Anschläge darstellt, um solche Taten mit strengen Maßnahmen zu verhindern.[3] Ein offiziöses Bulletin der Regierungspartei kündigt zudem an, dass der bevorstehende Prozess gegen den Attentäter Zaniboni und den General Capello nicht zu einer öffentlichen Abrechnung mit Regimegegnern werden dürfe, da es sich um gewöhnliche Delinquenten handele.[3]
Die innenpolitischen Spannungen wirken sich nun auch deutlich auf die Außenpolitik aus. Die faschistische Führung richtet scharfe Angriffe gegen Frankreich, da der jüngste Attentäter Lucetti von dort eingereist war.[4] In einem Befehl des faschistischen Direktoriums heißt es, Frankreich sei ein Zufluchtsort für jene geworden, die Hass gegen Italien hegten. Daher werde man nun an den Grenzen verstärkt wachen.[4] Die regierungsnahe italienische Presse wirft französischen Zeitungen wie dem *Écho de Paris* vor, den Gegnern Mussolinis Vorschub zu leisten, während ein Enkel Garibaldis in Paris antifaschistische Legionen aufstelle.[3] Die diplomatischen Beziehungen sind inzwischen erheblich belastet. Die *Washington Post* berichtet, dass der französische Geschäftsträger in Rom bereits zum dritten Mal offiziell Protest erhoben hat, nachdem es vor den französischen Konsulaten in Livorno und Triest zu feindseligen Kundgebungen gekommen war.[4] In Triest kam es laut Reisenden sogar zu Zusammenstößen zwischen Faschisten und der regulären Polizei; daraufhin wurde das Standrecht verhängt.[4]