Die sowjetrussische Staatliche Plankommission, der sogenannte Gosplan, hat die wirtschaftlichen Kontrollziffern für das kommende Wirtschaftsjahr 1926/27 veröffentlicht.[1] Diese Planvorgaben markieren einen weiteren Schritt beim Ausbau der staatlich gelenkten Ökonomie in der Sowjetunion. Die offiziellen Zahlen belegen eine deutliche Verdrängung privatkapitalistischer Elemente.[1]
Nach einem ausführlichen Bericht der Moskauer Prawda hat das Volkseinkommen der UdSSR in den vergangenen drei Jahren um 65 Prozent zugenommen.[1] Für das Wirtschaftsjahr 1926/27 rechnet der Gosplan mit einer weiteren Steigerung um acht Prozent.[1] Die sowjetische Führung verweist bei dieser Gelegenheit auf die vorrevolutionäre Epoche. Das zaristische Russland habe in seinen besten Jahren ein jährliches Wachstum von höchstens drei Prozent erreicht.[1]
Ein zentrales Element der neuen Kontrollziffern ist die planmäßige Umschichtung des Einkommens zugunsten des vergesellschafteten Sektors.[1] Wie die Prawda darlegt, wächst der Anteil, der auf das Proletariat und die sozialisierten Betriebe — darunter staatliche, kommunale sowie genossenschaftliche Unternehmen — entfällt, stetig an.[1] Während dieser Anteil in der Vergangenheit bei 27,2 Prozent lag, stieg er zuletzt auf 36,2 Prozent und soll im kommenden Planungsjahr die Marke von 37,6 Prozent erreichen.[1]
Die Statistiken zeigen zudem, dass der Einfluss des privaten Kapitals im sowjetischen Wirtschaftssystem stark abnimmt.[1] In der Industrie, die Produktionsmittel herstellt, entfallen laut dem Parteiorgan gegenwärtig nur noch 2,2 Prozent auf den Privatsektor.[1] Noch stärker tritt der Rückgang bei der Herstellung von Konsumgütern hervor: Während das private Kapital hier im Wirtschaftsjahr 1923/24 noch 88 Prozent der Anteile umfasste, soll dieser Anteil im Jahr 1926/27 auf 6,4 Prozent absinken.[1]
Parallel zur Publikation der Gosplan-Ziffern hat das Präsidium des Allrussischen Zentralexekutivkomitees (Wzik) beschlossen, seine dritte Session für den 25. Oktober 1926 einzuberufen.[1] Auf der Tagesordnung stehen neben bildungspolitischen Fragen, wie der allgemeinen Schulpflicht, vor allem finanzielle Beschlüsse.[1] So wird das Exekutivkomitee den Haushalt der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) für 1926/27 beraten und neue Regelungen für die Kommunalfinanzen verabschieden.[1]
Die nun vorgelegten Ziffern und Budgetentwürfe dokumentieren deutlich den Kurs der Regierung in Moskau, das nach der Neuen Ökonomischen Politik wiedererstarkte Privatkapital nun wieder systematisch zugunsten staatlicher Produktionsformen zurückzudrängen.[1]