Die tiefgreifenden staatlichen Umwälzungen der letzten Jahre erfordern eine Neuorientierung der deutschen Beamtenschaft.[1] Unter diesem Leitgedanken stand die 54. Bundeshauptversammlung des Sächsischen Gemeindebeamtenbundes, die an diesem Wochenende im Leipziger Neuen Theater stattfand.[1] Nach den offiziellen Begrüßungsworten des Leipziger Bürgermeisters Dr. Kubitz sowie des Kreishauptmanns Dr. Marcus betrat Reichsinnenminister Dr. Wilhelm Külz das Podium, um eine programmatische Rede über Wesen und Aufgaben der Verwaltung zu halten.[1] Wie die Sächsische Staatszeitung berichtet, skizzierte der Minister darin das künftige Verhältnis zwischen Staatsdienern und der Republik.[1]
Dem oberflächlichen Beobachter möge es erscheinen, als habe sich in der äußeren und inneren Struktur wenig geändert, führte der Minister aus.[2] Wer jedoch genauer hinsehe, erkenne die grundlegende Wandlung. Diese lasse sich laut Külz in einem Satz zusammenfassen: „Wir sind vom Obrigkeitsstaat auf den Weg zum Volksstaat gekommen.“[1] Für die Beamtenschaft des Volksstaates sei das innere Verbundensein mit dem Staat das vornehmste Gebot. Der Beamte müsse als Diener der Gesamtheit auftreten, nicht als Bedienter einer Partei.[2] Der Minister betonte mit Nachdruck, dass diese Entwicklung keinen Abbau des Berufsbeamtentums bedeute, sondern vielmehr dessen Festigung und Modernisierung.[1]
Eine rein arbeitsrechtliche Betrachtung des Beamtenverhältnisses lehnte Külz strikt ab.[2] Nach Angaben der Badischen Presse bekräftigte er den Grundsatz, dass das Beamtenrecht auch in Zukunft zwingend Staatsrecht bleiben müsse.[2] Um jeden Schein von Willkür zu vermeiden, hat das Reichsministerium des Innern ein neues Gesetz über das Beamtenrecht fertiggestellt. Dieses befindet sich derzeit in der Abstimmung zwischen Reich und Ländern.[3] Ebenso stehen eine neue Dienststrafordnung und ein Gesetz zur Beamtenvertretung kurz vor dem Abschluss.[2] Letzteres soll den Beamten einen mitbestimmenden Einfluss auf ihre persönlichen Angelegenheiten sichern.[2]
Die Deutsche Allgemeine Zeitung hebt in diesem Zusammenhang besonders die Ausführungen des Ministers zur vielfach diskutierten Verwaltungsreform hervor.[3] Neben der reinen Behörden- und Büroreform gebe es eine dritte, wesentlichere Art der Reform.[3] Diese basiere auf der Erkenntnis, dass Selbstständigkeit und Arbeitsfreude die besten Förderer aller Verwaltungsarbeit seien.[3] Das große Kapital, das in der Erfahrung und Pflichttreue der Beamten liege, müsse weitaus stärker als bisher genutzt werden.[1]
Abschließend wandte sich der Reichsinnenminister der heiklen Besoldungsfrage zu.[1] Eine geordnete Wirtschaft sei ohne ein gefestigtes Staatsgefüge undenkbar.[2] Das Besoldungsproblem dürfe daher nicht isoliert als Gegenstand gewerkschaftlicher Aktionen betrachtet werden, sondern müsse als allgemein volkswirtschaftliches Problem behandelt werden.[3] Die Wirtschaft selbst habe ein unmittelbares Interesse an der Leistungsfähigkeit der Staatsdiener.[1] Nur wenn die berechtigten materiellen Forderungen der Beamten frei erfüllt würden, so argumentierte der Minister, lasse sich ein übertriebener Materialismus im Beamtenstand erfolgreich bekämpfen.[2][3]