Wie aus einer Rückschau auf die Berner Kirchenkonferenz hervorgeht, hat sich die Idee der religiösen ökumenischen Arbeit auf internationaler Ebene weiter gefestigt.[1] Der Fortsetzungsausschuss der Stockholmer Weltkirchenkonferenz trat in Bern zu schwierigen Beratungen zusammen; deren Ergebnisse finden nun ein lebhaftes Echo in den beteiligten Nationen.[1]
Als entscheidend für die Beratungen erwies sich die Frage der Kriegsverantwortlichkeit.[1] Laut der Kölnischen Zeitung stellte diese für das Ansehen der gesamten Bewegung eine Belastungsprobe ernstester Art dar.[1] Hätte die Konferenz diese Angelegenheit als nicht zu ihrer Zuständigkeit gehörend abgetan, so wäre dies einem Eingeständnis ihrer vollständigen Bedeutungslosigkeit gleichgekommen.[1] Der deutsche Vertreter Dr. Kapler hatte zuvor in einem Brief in sehr ernsten Worten darauf hingewiesen, dass die Zukunft der ökumenischen Bewegung auf dem Spiel stehe.[1] Für die deutschen Kirchen ist die künftige Zusammenarbeit eng mit der moralischen Klärung der Kriegsschuldfrage verbunden.[1]
Trotz anfänglicher Schwierigkeiten gelang es den Delegierten, eine gemeinsame Position zu finden. Deutsche, Franzosen und Polen erklärten gemeinsam mit englischen und amerikanischen Vertretern ihren Standpunkt.[1] In ihrer Erklärung wird betont, „dass unmöglich durch Krieg fortgesetzt werden kann, was recht ist, und dass keinerlei Interessen, mögen sie eine Einzelperson oder eine Gemeinschaft betreffen, sich der Wahrheit widersetzen dürfen“.[1]
Dabei verzichtete der Fortsetzungsausschuss darauf, eine besondere Kommission einzusetzen.[1] Er entschied, die Theologen nicht mit der Erforschung des verwickelten historischen Stoffs zu belasten, da kirchliche Bewegungen zu einem historischen Urteil nicht berufen seien.[1] Stattdessen beschränkte sich das Gremium auf ein sittliches Urteil.[1] Die Erklärung schließt mit der Feststellung: „Ein jedes erzwungene Bekenntnis, wo immer es auch abgelegt sein mag, ist moralisch wertlos und religiös kraftlos.“[1] Die rheinische Presse wertet diesen Satz als eindeutige moralische Verwerfung des Fehlspruchs von Versailles.[1]