Die internen Auseinandersetzungen in der Kommunistischen Partei Deutschlands nehmen zunehmend groteske Züge an.[1] Die KPD-Zentrale in Berlin versucht derzeit, die wachsende parteiinterne Opposition energisch zu bekämpfen.[1] Wie der Vorwärts berichtet, richtet sich die Offensive der Führung gegen eine Gruppe von 700 Oppositionellen. Deren Unterzeichner will man auf dem Weg politischer Einzelgespräche zur Umkehr bewegen.[1]
Bislang zeigt diese Zermürbungstaktik jedoch kaum Wirkung.[1] Die Zentrale behauptete kürzlich, vier Unterschriften zurückgezogen zu haben, darunter die der Landtagsabgeordneten Hedwig Krüger.[1] Diese Darstellung erwies sich rasch als unbegründet.[1] Krüger wandte sich am 16. September schriftlich an die Bezirksleitung in Halle-Merseburg und erneuerte ausdrücklich ihre Solidarität mit dem Aufruf der Opposition.[1] Sie erklärte wörtlich: „Sollte die Zentrale organisatorische Schritte gegen die Genossen unternehmen, so bitte ich, mit mir genau so zu verfahren, wie mit den 700 Genossen.“[1] Damit erhielt die Parteiführung anstelle eines Widerrufs eine entschiedene Kampfansage.[1]
Während die Parteidisziplin im Inneren nachlässt, bemüht sich die KPD nach außen um den Anschein von Geschlossenheit.[1] Der sozialdemokratischen Presse zufolge greift die Partei bei Kundgebungen zu auffälligen Mitteln, um in Moskau Eindruck zu machen.[1] So wurden bei jüngsten Aufmärschen gezielt Rotfrontkämpfer mit besonders großen Sowjetfahnen vor die Kamera gestellt.[1] Ein plötzlicher Ruf „Achtung, Fotografie!“ führte dazu, dass die übrigen Demonstranten im Hintergrund lediglich als Kulisse dienten.[1] Solche arrangierten Bilder sollen den Machthabern in der Sowjetunion eine breite Unterstützung der deutschen Kommunisten vorgaukeln.[1] Den Höhepunkt dieser Agitation bildete ein Transparent, das den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) als gierigen Dickwanst verunglimpfte — ein weiteres Beispiel für die ungewöhnlichen Methoden einer gespaltenen Partei.[1]