In der niederländischen Garnisonsstadt Assen ist es am Montagabend zu schweren militärischen Ausschreitungen gekommen. Wie die Nieuwe Rotterdamsche Courant ausführlich berichtet, waren Angehörige des 9. und 12. Infanterieregiments an den Unruhen beteiligt.[1] Die Soldaten befanden sich in den jährlichen Manövern, die von drückender Hitze überschattet wurden.[1] Vor allem die anhaltenden Gefechtsübungen am Montagnachmittag, die erst gegen halb fünf endeten, hatten die Truppe schwer erschöpft.[1] Nach Angaben der niederländischen Zeitung gab es bei diesen Übungen etwa 150 Ausfälle, was eine erhebliche Unzufriedenheit schürte.[1] Den unmittelbaren Anlass bildete jedoch ein Zwischenfall in der Kantine. Dem Harburger Tageblatt zufolge weigerte sich der Kantinenwirt am Abend, den lärmenden Mannschaften weiteres Bier auszuschenken.[2]
Darauf eskalierte die Situation weiter. Die Soldaten zertrümmerten einen Teil der Kaserneneinrichtung und zogen mit etwa 300 Mann auf den Hof.[1][2] Laut der Badischen Presse gingen die Meuterer mit Steinen gegen die Wachposten vor und schlugen zahlreiche Fensterscheiben ein.[3] Die Mannschaften forderten lautstark die Freilassung inhaftierter Kameraden sowie den Abzug der Militärpolizei und sangen die „Internationale“.[1] Nach einem Bericht der Nieuwe Rotterdamsche Courant versuchte Hauptmann Glasius anfangs, die Menge zu beruhigen.[1] Er veranlasste den Abzug der Militärpolizei; dafür wurde er von den Soldaten mit Hochrufen gefeiert.[1] Dennoch weigerten sich die Männer, in ihre Quartiere zurückzukehren, und bewarfen die herbeigeeilten Stabsoffiziere mit Unrat.[1]
Schließlich gab Oberstleutnant Sanghe den Befehl, die Wache der Emmakaserne unter dem Kommando von Reserveoberleutnant Visser unter Waffen treten zu lassen.[1] Der Offizier rief den Mannschaften zu: „Gehorcht dem Gesetz, sonst wird Gewalt angewendet!“[1] Als die Warnung sowie drei Schüsse in die Luft keine Wirkung zeigten — die Soldaten glaubten offenbar, es würde ohnehin nur mit Platzpatronen geschossen —, feuerte die Wache mit scharfer Munition in die Menge.[1][3] Dabei wurde ein unbeteiligter Unteroffizier namens Munneke, der als Zuschauer an einem Baum lehnte, von einem Kopfschuss tödlich getroffen.[1][2] Ein weiterer Soldat, der einen Oberschenkelschuss erlitt, wurde von einem Sanitätsoffizier erstversorgt und in das Militärlazarett gebracht.[1] Mehrere andere Soldaten wurden ebenfalls verletzt.[1] Wie die Badische Presse berichtet, kam es auch in der großen Kaserne von Ede zu ähnlichen Vorfällen, die jedoch rasch unter Kontrolle gebracht wurden.[3]
Gegen 23 Uhr war die Ordnung in Assen wiederhergestellt, und die betreffenden Regimenter wurden am Dienstag nicht zu weiteren Übungen herangezogen.[1] Der in Hongkong erscheinende Hong Kong Telegraph verweist auf Gerüchte, wonach die Ausschreitungen im Voraus geplant gewesen sein könnten.[4] Aus den Beständen der Truppe habe in letzter Zeit scharfe Munition gefehlt.[4]