Im Berliner Kriegervereinshaus veranstaltete der Stahlhelm am gestrigen Abend eine machtvolle Massenkundgebung, die sich in schärfster Form gegen den sogenannten ‚Entwaffnungsverrat‘ des Reichsbanners wandte.[1] Das Interesse an der Zusammenkunft war derart massiv, dass der große Saal wegen offenkundiger Überfüllung bereits vor Beginn der Versammlung polizeilich geschlossen werden musste.[1] Unter dem Vorsitz des Herrn von Stephani, der die Anwesenden begrüßte, nahm die Veranstaltung bald einen überaus leidenschaftlichen Verlauf.[1]
In seinem umfangreichen Hauptreferat richtete Walter Korodi schwere Angriffe gegen die Organe der Linkspresse.[1] Nach Angaben des Harburger Tageblatts warf der Redner dem Reichsbanner und dessen offiziellen Publikationen — namentlich der Bundeszeitung sowie der Illustrierten Zeitung des Reichsbanners Deutschland — vor, das Reich im In- und Ausland fortwährend wegen angeblicher Verletzungen des Versailler Vertrages anzuklagen.[1] Korodi brandmarkte dieses Vorgehen als landesverräterisches Treiben.[1] Die genannten Kreise, so führte der Redner mit Nachdruck aus, würden der Interalliierten Militärkontrollkommission systematisch Material gegen Deutschland liefern und dadurch die nationale Sicherheit gefährden.[1]
Als der Versammlungsleiter im Anschluss an die Rede einen Vertreter des Reichsbanners aufforderte, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, entstand auf dem Podium eine befremdliche Szene.[1] Nachdem das Auditorium längere Zeit vergeblich auf eine Wortmeldung gewartet hatte, erschien schließlich ein zerlumpter und offensichtlich betrunkener Mann, der mit heftigen Gesten versuchte, auf den Vorsitzenden einzureden.[1] Die Versammlungsteilnehmer lachten laut, während das Individuum rasch aus dem Saal entfernt wurde.[1]
Da sich kein weiterer Fürsprecher des Reichsbanners zu Wort meldete, brachte die Versammlung schließlich eine scharfe Entschließung zur Abstimmung.[1] Darin wird die Reichsregierung nachdrücklich aufgefordert, für die strengste Bestrafung jener Personen Sorge zu tragen, die den Tatbestand des Landesverrats gemäß Paragraph 92 Absatz 1 des Strafgesetzbuches erfüllen.[1] Vor dem Gebäude hatten sich zahlreiche Kommunisten versammelt.[1] Die Polizei, die stark aufgeboten war, schritt jedoch energisch ein, drängte die Demonstranten ab und zerstreute die Ansammlung. So konnte die Kundgebung im Inneren ungestört beendet werden.[1]