Ministerpräsident Primo de Rivera hat in einer Erklärung vor der Presse die wiederholten Gerüchte über eine Kabinettskrise in Spanien entschieden zurückgewiesen.[1] Die Minister seien lediglich in den Küstenort San Sebastián gereist, um dem Monarchen die Ermüdung einer Fahrt nach Madrid zu ersparen.[1] Anschließend legte der General seine Pläne für die Einberufung der künftigen Nationalversammlung dar. Dabei verteidigte er sich nachdrücklich gegen den Vorwurf, die Verfassung verletzen zu wollen.[1] Das neue Parlament, so versicherte er, werde eine weitaus liberalere Zusammensetzung aufweisen als die früheren Cortes.[1] Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Integration der Arbeiterschaft; ihr sollen künftig etwa vierzig Sitze in der Versammlung zugedacht werden.[1] Dem Ministerpräsidenten ist es ein zentrales Anliegen, den berechtigten Forderungen der Arbeiter in größtmöglichem Maß stattzugeben.[1]
Auch die außenpolitische Lage wurde im spanischen Ministerrat behandelt.[1] Auf die künftige Haltung gegenüber dem Völkerbund angesprochen, stellte der General unmissverständlich klar, dass die Entscheidung zum Austritt aus dieser Institution endgültig sei und die Regierung diesen Schritt in keiner Weise bedaure.[1] Trotz dieses Bruchs mit Genf bricht Spanien jedoch nicht alle internationalen Verbindungen ab. Aus Berichten der Kölnischen Zeitung geht hervor, dass der Präsident des Vorbereitungsausschusses für die internationale Abrüstungskonferenz, Loudon, zur Eröffnung der neuen Tagung offiziell mitteilen konnte, dass Spanien weiterhin an den laufenden Vorbereitungsarbeiten teilnehmen wird.[2]
Die ungelöste Tanger-Frage ist weiterhin Gegenstand diplomatischer Verhandlungen.[1] Dem Pariser Temps zufolge hegen Primo de Rivera und Außenminister Yanguas die feste Hoffnung, in absehbarer Zeit zu einer Lösung zu gelangen, welche die spanischen Interessen befriedigt und zugleich die volle Zustimmung Frankreichs und Großbritanniens findet.[1] Die vorbereitenden Gespräche zwischen den drei beteiligten Staaten sollen in der zweiten Woche des Novembers beginnen.[1]