Die päpstliche Verurteilung der nationalistisch-royalistischen Bewegung Action Française schlägt in der französischen Öffentlichkeit anhaltend hohe Wellen.[1] Wie der Figaro meldet, hat Kardinal Andrieu, der Erzbischof von Bordeaux, ein offizielles Schreiben veröffentlicht, in dem er Papst Pius XI. für dessen klärendes Eingreifen dankt.[1] Die Action Française sei weitaus mehr als eine bloße politische Liga; sie wirke als eine Schule mit einer gefährlichen Doktrin, die insbesondere auf die Jugend eine starke Anziehungskraft ausübe.[1]

Besondere Sorge bereitet dem französischen Klerus die intensive Verehrung, die Anhänger Charles Maurras als geistigem Vordenker der Bewegung entgegenbringen.[1] Dem Figaro zufolge gipfelte dieser Enthusiasmus kürzlich in der Behauptung eines Anhängers, es gebe auf der Welt nur zwei Leuchttürme — „den Papst und den Meister der Action Française“.[1]

Der Schritt des Vatikans war laut den Berichten zwingend geboten, um ein Ärgernis unter den Katholiken zu beenden.[1] Die Lehren der Bewegung stellten eine radikale Verneinung katholischer Wahrheiten dar und erinnerten an den von Papst Pius X. verurteilten Modernismus, jenen „Sammelplatz aller Häresien“.[1] Zwar beklagen die Führer der Action Française, man habe sie verleumdet.[1] Die Gläubigen stehen nun allerdings vor einer unausweichlichen Wahl, da sich die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche nicht mit einem Verharren in abtrünnigen Lehren vereinbaren lässt.[1]