Das französische Kulturerbe sieht sich einer beispiellosen Plünderung ausgesetzt.[1] Laut dem Figaro vergeht in der Hauptstadt kaum ein Tag, an dem nicht wertvolle Kunstsammlungen in alle Welt, vornehmlich jedoch in die Vereinigten Staaten, zerstreut werden.[1] Die Ursachen für diese bedenkliche Abwanderung sucht das Blatt unter anderem in der Steuerpolitik des Linkskartells.[1] Die jüngste politische Offensive gegen sogenannte ‚ruhende Vermögenswerte‘ habe viele private Sammler dazu gedrängt, ihre Schätze ins Ausland zu veräußern, um den angedrohten Lasten zu entgehen.[1]

Das jüngste und eklatanteste Beispiel ist der Verkauf der Sammlung des verstorbenen Industriellen N. S. Kaplan.[1] Wie aus dem Figaro hervorgeht, übernimmt die New Yorker Anderson-Galerie diesen wertvollen Bestand.[1] Zu den Verlusten zählen neben Gemälden von Boucher und Largillière auch ein kristallenes, juwelenbesetztes Tintenfass von Benvenuto Cellini und eine Kommode im reinen Louis-XV-Stil des Meisters Dieudonné.[1] Auch die Demontage historischer Bausubstanz schreitet voran.[1] Der Publizist Jacques Reyliane erinnert an den Verkauf der Franz-I.-Treppe in Abbeville, an eine gotische Wölbung aus Villeneuve-lès-Avignon sowie an die Kirchenfenster der Dominikaner von Sens.[1]

Um diesem Ausverkauf Einhalt zu gebieten, hat Senator Chastenet aus der Gironde nun gemeinsam mit seinen Kollegen Victor Bérard und Cuminal einen Gesetzentwurf eingebracht.[1] Nach Berichten der Pariser Presse sieht die Vorlage vor, dass private Sammler künftig einer strikten Meldepflicht unterliegen.[1] Ein Verkauf soll demnach nur nach vorheriger Benachrichtigung der Kunstverwaltung gestattet sein; dieser wird ein Vorkaufsrecht eingeräumt.[1] Zuwiderhandlungen von Käufern wie Verkäufern sollen mit strengen Sanktionen belegt werden.[1] Dem Figaro zufolge blickt Frankreich dabei voller Anerkennung nach Italien, da dieses seine historischen Güter bereits vor Jahren unter staatlichen Schutz gestellt und sich so erfolgreich gegen den Zugriff ausländischer Aufkäufer abgeschirmt hat.[1]