Die seit Längerem befürchtete Zuspitzung im Hamburger Hafen ist nunmehr eingetreten. In einer Urabstimmung, die sich bis in die späten Abendstunden des gestrigen Tages hinzog, lehnte die organisierte Hafenarbeiterschaft den jüngsten Schiedsspruch mit der erforderlichen Dreiviertelmehrheit ab.[1][2] Damit ist nach den geltenden Statuten der Gewerkschaften der Ausstand formell beschlossen.[1]

Dem Berliner Tageblatt zufolge liegt die Ursache für diesen schwerwiegenden Arbeitskampf in den unüberbrückbaren Gegensätzen der Lohnfrage.[1] Die Arbeitnehmer hatten eine zwanzigprozentige Heraufsetzung ihrer Löhne gefordert. Der Hafenbetriebsverein als Arbeitgeberseite verlangte hingegen eine zehnprozentige Senkung der bestehenden Tarife.[1] Der am 21. September durch die paritätische Schlichtungskommission gefällte und nun verworfene Spruch sah lediglich eine einfache Verlängerung der bisherigen Sätze um ein weiteres Jahr vor.[1] Zudem konnte auch in tariflichen Nebenfragen, etwa der Neuregelung des Überstundenwesens, vor dem Schlichter keine für beide Parteien befriedigende Lösung erzielt werden.[1] Über den ergebnislosen Ausgang der Verhandlungen bestand daher schon seit Tagen kaum noch ein Zweifel.[1]

Die bevorstehende Stilllegung wichtiger Zweige des Wirtschaftslebens — zu denen neben dem Hafen auch die Werften zählen — ruft in der Öffentlichkeit erhebliche Besorgnis hervor.[3] Das Hamburger Echo warnt eindringlich vor den großen Opfern, die der Arbeitskampf für die Gesamtwirtschaft, die Arbeiterschaft und für die Unternehmer bedeuten werde.[3] Nach Ansicht des Blattes fehlt es bei den maßgebenden Unternehmerstellen an der nötigen Einsicht.[3] Anstatt erhebliche finanzielle Mittel bereitzustellen, um den Streik der Hafenarbeiter zum Scheitern zu bringen, wären diese Gelder für die Unternehmer zweckmäßiger verwendet worden, wenn sie der Belegschaft ein greifbares Plus bei den Verhandlungen gewährt hätten.[3]