Der Feme-Ausschuss des Preußischen Landtages hat sich in seinen jüngsten Sitzungen intensiv mit den Abgründen der sogenannten Schwarzen Reichswehr befasst.[1] Wie der Vorwärts berichtet, eröffnete der Berichterstatter, Abgeordneter Kuttner, die öffentliche Verhandlung mit einem schockierenden Vorbericht über den Fall Pannier.[1] Der Schütze Pannier, der beim Arbeitskommando in Elsgrund — dem sogenannten Bataillon v. Senden — diente, wurde nach unerlaubter Entfernung von der Truppe grausam ermordet.[1] Kuttner legte dar, dass der Befehl zur Beseitigung direkt vom Leutnant Benn erteilt worden war, nachdem dieser sich mit Hauptmann Guttknecht und Oberleutnant Schulz abgesprochen hatte.[1] Aus den Ausschussakten geht hervor, dass der Sanitätsfeldwebel Schirmann den Anschein erweckte, Pannier zum Bahnhof begleiten zu wollen. In Wirklichkeit hatten bereits Komplizen im Franzer-Busch ein Grab ausgehoben, um den Leichnam zu verscharren.[1] Das Arbeitskommando, das sich vorwiegend aus rechtsradikalen Elementen rekrutierte, wurde systematisch über ein Büro in der Berliner Kurfürstenstraße aufgebaut.[1]

Dem Westfälischen Merkur zufolge gingen den öffentlichen Vernehmungen erhebliche Auseinandersetzungen hinter verschlossenen Türen voraus.[2] Das Auswärtige Amt und das Reichswehrministerium hatten Bedenken gegen die Veröffentlichung der Aussagen des Zeugen Schmidt erhoben, da man Rückwirkungen auf die schwebenden Verhandlungen mit Frankreich befürchtete.[2] Der sozialdemokratische Abgeordnete Heilmann bezeichnete diese Geheimhaltung als „groben Unfug“, da die alliierten Regierungsstellen ohnehin über die militärischen Pläne des Jahres 1923 im Bilde seien.[2] Schließlich wurde Schmidts Protokoll unter Auslassung bestimmter Passagen verlesen.[2] Nach Angaben des Berliner Tageblatts sorgte Schmidt später für erhebliches Aufsehen, als er erklärte, der jetzige Hauptschriftleiter der Deutschen Zeitung, Major Sodenstern, habe für kriminelle Zwecke der Schwarzen Reichswehr Gelder empfangen.[3]

Ein zentraler Streitpunkt der Anhörung war die Aussageverweigerung des Kaufmanns Wurster.[3] Dieser versuchte beharrlich, den Zeugen Schmidt zu diskreditieren, indem er ihm laut dem Hamburger Echo unter anderem Zuhälterdienste und Kokainkonsum vorwarf.[4] Zur Sache selbst verweigerte Wurster jedoch jegliche Auskunft. Er betonte, alle Aussagen über die Vorgänge von 1923 als Landesverrat anzusehen.[3] Auf den Einwand des Vorsitzenden, die Truppen seien im Geheimen gebildet worden, beharrte Wurster darauf, die Schwarze Reichswehr sei als legale Formation genehmigt und „auf den Führer“ vereidigt gewesen.[3] Selbst den Vorhalt des kommunistischen Abgeordneten Obuch, dass staatliche Stellen längst Denkschriften über diese Vorgänge publiziert hätten, wies der Zeuge mit der bemerkenswerten Begründung zurück: Dann hätten sich eben auch die Ministerien des Landesverrats schuldig gemacht.[3] Wurster räumte ein, dass er den in Untersuchungshaft sitzenden Oberleutnant Schulz mit Lebensmitteln unterstützt habe.[4] In den rechtsradikalen Verbänden galt es als selbstverständliche Pflicht, Kameraden in jeder Lage unbedingte Treue zu halten — auch, wenn diese wegen Mordes angeklagt seien.[2][4]

Ein weiteres, ungewöhnliches Kapitel bildete die Vernehmung mehrerer Stenotypistinnen aus dem Büro des völkischen Rechtsanwalts Sack.[4] Aus dem Hamburger Echo geht hervor, dass eine Sekretärin namens Poguntke damals durch ein verabredetes Zeichen — ein Klopfen mit dem Schuhabsatz gegen die Tür — dem Oberleutnant Schulz zur Flucht aus den Räumen des Landarbeiterverbandes verholfen haben soll.[4] Während zwei Zeuginnen diese Episode bestätigten und ferner angaben, dass Fräulein Poguntke zeitweise auch den flüchtigen Feldwebel Klapproth beherbergt habe, bestritt die Beschuldigte die Vorwürfe.[2][4] Die Zeugin Poguntke weigerte sich am Ende, ihre entlastenden Aussagen unter Eid zu wiederholen, da sie angab, sich nicht mehr genau an die Vorfälle erinnern zu können.[2]