— Auf der jüngsten, wenn auch kurzen Sitzung der französischen Akademie der Wissenschaften, auf der der ständige Sekretär Emile Picard zunächst eine umfangreiche Korrespondenz verlas, zog eine medizinische Mitteilung die besondere Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich.[1] Dr. Roux, der Direktor des Institut Pasteur, präsentierte eine Entdeckung des Forschers Auguste Lumière, die dieser in Zusammenarbeit mit Madame Enselme erarbeitet hat.[1] Die Wissenschaftler stellten eine neue Auffassung über den Mechanismus des sogenannten anaphylaktischen Schocks vor, der in der medizinischen Praxis bisher viele ungelöste Rätsel aufgab.[1]
Dem Figaro zufolge ist es Lumière gelungen, das Auftreten des oft tödlichen Schocks durch die Injektion eines lokalen Betäubungsmittels zu verhindern.[1] Er verringerte die Empfindlichkeit des vaskulären Nervennetzes durch den Einsatz des Präparats Allokain.[1] Zur Erläuterung führt der Gelehrte an, dass der anaphylaktische Schock hauptsächlich durch die Reizung der feinsten Nervenenden in den Gefäßwänden ausgelöst wird.[1] Diese Reizung entsteht durch ein Flokulat, das sich bildhaft formuliert schlagartig entwickelt, sobald die schockauslösende Substanz mit dem Blutserum eines bereits sensibilisierten Patienten in Kontakt gerät.[1]
Nach den Ausführungen in der Pariser Akademie reicht es laut Lumières Erkenntnissen aus, diese Nervenenden therapeutisch zu betäuben, sodass sie auf den chemischen Reiz nicht mehr reagieren.[1] Damit liegt ein medizinischer Ansatz vor, um die gefürchteten Überempfindlichkeitsreaktionen des Organismus künftig zu unterbinden. Für die Serumtherapie könnte dies von großer Bedeutung sein.[1]