Der sächsische Arbeitsmarkt bietet nach wie vor ein düsteres Bild, das sich deutlich vom übrigen Reichsgebiet abhebt.[1] Wie die Sächsische Staatszeitung detailliert darlegt, kamen am 1. September in Sachsen auf 1000 Einwohner 36,7 Hauptunterstützungsempfänger. Der Reichsdurchschnitt lag bei lediglich 24,8.[1] Damit verzeichnet der Freistaat gemessen an seiner Einwohnerzahl die stärkste Erwerbslosigkeit aller deutschen Länder und wird in dieser fatalen Statistik nur von Berlin übertroffen.[1] Zwar stellt die sächsische Bevölkerung lediglich 7,9 Prozent der Gesamtbevölkerung des Reiches, doch entfallen auf sie 11,5 Prozent der unterstützten Erwerbslosen.[1] Während die Ziffer in einigen Bergbaubezirken auf 7,6 pro 1000 Einwohner sank, weisen andere sächsische Großgemeinden Spitzenwerte von bis zu 97 Erwerbslosen auf.[1]
Ein gewisser Stillstand der Krise ist seit Mitte März unverkennbar. Eine abermalige Verschärfung der Lage blieb erfreulicherweise aus.[1] Der scheinbare Rückgang der Arbeitslosenziffern erklärt sich jedoch teilweise daraus, dass Tausende die gesetzliche Unterstützungsdauer durchlaufen haben und aus der regulären Zählung herausfallen.[1] Derzeit gibt es in Sachsen bereits 13.147 Erwerbslose, die länger als 39 Wochen Unterstützung beziehen.[1] Die Kommunen sehen sich vor die kaum lösbare Aufgabe gestellt, diese sogenannten Ausgesteuerten im Rahmen der Wohlfahrtspflege weiter zu finanzieren.[1] Die finanzielle Gesamtbelastung ist ohnehin immens: Von Januar bis Mitte September zahlte das Landesamt für Arbeitsvermittlung fast 88 Millionen Mark aus.[1]
Um der Not zu begegnen, wurden im laufenden Jahr 2463 Notstandsarbeiten mit einem Umfang von knapp 4,8 Millionen Tagewerken genehmigt.[1] Trotz der immensen Erwerbslosigkeit sah sich die Behörde allerdings gezwungen, fast 3900 ausländische Landarbeiter zuzulassen.[1] Diese Maßnahme war unumgänglich, da es sich zumeist um dringend benötigte Saisonarbeiter in der Landwirtschaft handelt, die im sächsischen Grenzland kaum durch einheimische städtische Arbeitslose ersetzt werden können.[1]