Die leidige Flaggenfrage, die das politische Leben der Republik seit Jahren belastet, soll nun auf parlamentarischem Wege einer endgültigen Klärung zugeführt werden.[1] Auf ausdrücklichen Wunsch der Reichsregierung wird der Reichstag in Kürze einen eigens dafür vorgesehenen Ausschuss bilden.[1] Wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger mitteilt, soll dieses Gremium jedoch nicht allein aus Abgeordneten bestehen.[1] Vielmehr ist geplant, dass den Vertretern aller Fraktionen auch renommierte Künstler, erfahrene Heraldiker sowie ausgewiesene Staatssachverständige an die Seite gestellt werden. So soll das Gremium die Angelegenheit fernab rein parteipolitischer Polemik sachlich behandeln.[1]

Das rege Interesse der Öffentlichkeit an der Gestaltung der nationalen Symbole spiegelt sich in der gewaltigen Zahl der Einsendungen wider. Wie aus der Sächsischen Staatszeitung hervorgeht, sind insgesamt rund 6000 Vorschläge für eine neue Staatsflagge eingegangen.[1] Um dem neu zu bildenden Ausschuss eine praktikable Arbeitsgrundlage zu bieten, wurde bereits eine strenge Sichtung vorgenommen.[1] Lediglich 40 Entwürfe sollen in die engere Wahl kommen und dem Gremium zur endgültigen Begutachtung vorgelegt werden.[1] Diese Vorauswahl traf der Reichskunstwart in enger Zusammenarbeit mit dem bekannten Heraldiker Kekule von Stradonitz.[1]