Die diesjährige Zusammenkunft der amerikanischen Finanzwelt hat richtungsweisende personelle und finanzpolitische Entscheidungen getroffen. Wie die Washington Post berichtet, wählte die Jahresversammlung der American Bankers Association am gestrigen Mittwoch Melvin A. Traylor aus Chicago zu ihrem neuen Präsidenten.[1] Ihm zur Seite stehen künftig Thomas R. Preston aus Chattanooga im Bundesstaat Tennessee als Erster Vizepräsident sowie Craig V. Hazelwood, ebenfalls aus Chicago, als Zweiter Vizepräsident.[1]
Die Wahl Traylors veranschaulicht eindrucksvoll die sozialen Aufstiegsmöglichkeiten, die in der amerikanischen Gesellschaft weiterhin bestehen. Der achtundvierzigjährige neue Präsident der Bankiervereinigung arbeitete in seiner Jugend als Verkäufer in einem Lebensmittelgeschäft in Hillsboro in Texas.[1] Seine juristische Ausbildung eignete er sich in den Abendstunden durch Selbststudium an. Nach einer kurzen Tätigkeit als Rechtsanwalt wechselte er in das Bankwesen.[1] Seine Laufbahn führte ihn über Stationen in Malone und Ballinger zunächst nach East St. Louis und schließlich nach Chicago, wo er durch Fleiß und fachliche Kompetenz Anerkennung fand.[1]
Neben den Personalien stand die nationale Finanzpolitik im Mittelpunkt der Beratungen. Den Delegierten wurde dabei eine deutliche Botschaft der Regierung übermittelt.[1] In seiner Ansprache vor dem Kongress äußerte sich der stellvertretende Staatssekretär im Schatzamt, Winston, zur aktuellen Haushaltslage.[1] Dabei erteilte er Hoffnungen auf baldige finanzielle Entlastung der Wirtschaft eine klare Absage und erklärte weitere Steuersenkungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt für undurchführbar.[1] Diese Einschätzung der Washingtoner Behörden verdeutlicht den Kurs der Regierung, trotz der florierenden Wirtschaft eine konservative Fiskalpolitik beizubehalten.