Die anhaltende Diskussion um die Automobilbesteuerung in Deutschland verdeutlicht zunehmend die negativen Auswirkungen fiskalischer Entscheidungen auf die technische und wirtschaftliche Entwicklung. Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung in einer umfassenden Analyse darlegt, legt der Fiskus den deutschen Ingenieuren gewaltige Hemmschuhe an.[1] Grundlage des Übels ist die Berechnung nach sogenannten „Steuerpferden“, die in der Praxis zu einer enormen finanziellen Belastung führt.[1] So müssen für einen Wagen mit fünf Steuer-PS jährlich 150 Mark, für neun PS bereits 270 Mark entrichtet werden.[1] Bei Fahrzeugen mit elf Steuerpferden schnellt die Abgabe gar auf 660 Mark empor, da sich der Satz ab zehn PS auf 60 Mark je Pferdestärke verdoppelt.[1]

Für den Exportmarkt ist diese deutsche Steuergesetzgebung wertlos und bringt die Industrie in ein schweres Dilemma.[1] Ausländische — insbesondere amerikanische — Gebrauchswagen verfügen über eine größere Kraftreserve, da ihre Konstrukteure nicht durch starre Steuerformeln auf falsche Bahnen gedrängt werden.[1] Unsere heimischen Motorenkonstrukteure hingegen sehen sich gezwungen, hochgezüchtete Maschinen zu bauen, die auf dem Prüfstand weitaus mehr Leistung erbringen, als die amtliche Steuerformel besagt.[1] Die Annahme, ein stärkerer Motor bedinge ein massiv höheres Wagengewicht und drücke somit „mehr auf die Straße“, erweist sich laut technischen Experten als Trugschluss.[1] Die Abnutzung der Straßen steht vielmehr im direkten Verhältnis zum Brennstoffverbrauch.[1] Die Einführung einer Benzinsteuer würde daher eine gerechte Abgabe für die tatsächliche Beanspruchung der Verkehrswege schaffen.[1]

Wie prekär die Lage der heimischen Automobilindustrie derweil ist, zeigt ein Blick in die Landesparlamente. Nach Angaben der Sächsischen Staatszeitung betonte der Abgeordnete Dr. Blüher jüngst im Landtag die Notwendigkeit staatlicher Aufträge zur Stützung der Fahrzeugbauer.[2] Um zu verhindern, dass weitere Arbeiter aus dem Produktionsprozess entlassen werden, forderte die Regierung rund 2,8 Millionen Mark für die Beschaffung von Omnibussen für staatliche Kraftwagenunternehmen.[2] Die Einführung einer zeitgemäßen Kraftfahrzeugsteuer würde die deutsche Konstruktionstechnik im internationalen Wettbewerb besser stärken.