Der Sudetendeutsche Heimatbund hat in diesen Tagen seinen Reichsverbandstag in Breslau abgehalten. Wie die Kölnische Zeitung berichtet, bestanden Sinn und Ziel der Zusammenkunft vor allem in der Sammlung der im Deutschen Reich lebenden Sudetendeutschen zu einem geschlossenen, mächtigen Block.[1] Die Organisation versteht sich als Sprachrohr für jene Millionen Deutscher, die infolge der Friedensverträge in den tschechoslowakischen Staat gezwungen wurden. Dort stehen sie gegenwärtig in einem schweren Ringen um ihre nationale und wirtschaftliche Existenz.[1]
Im Mittelpunkt der Tagung stand am Sonntag eine große öffentliche Kundgebung. Sie vereinigte Tausende von Teilnehmern im Zeichen der schwarz-roten Farben.[1] Die Wahl der schlesischen Metropole erwies sich als naheliegend. In diesem benachbarten Landstrich, der durch Blutsverwandtschaft und historische Kulturbande eng mit dem Sudetenland verbunden ist, findet sich ein tiefes Verständnis für die Sehnsucht der Stammesbrüder zur Mutternation.[1] Dies erklärte auch den außerordentlich starken Andrang der örtlichen Bevölkerung bei der Feier.[1]
Nach den festlichen Klängen der Meistersinger-Ouvertüre ergriff Dr. von Lösch, der Vorsitzende des Deutschen Schutzbundes, das Wort zur Begrüßung.[1] Er betonte, dass die Deutschen jenseits der Grenze ein Teil der eigenen Nation seien.[1] Als nahes Ziel nannte er die Mobilisierung der Geister, als Endziel die Durchsetzung der Selbstbestimmung für alle Menschen deutscher Zunge und ein Großdeutschland.[1] Die moralische Begründung der sudetendeutschen Freiheitsbewegung legte anschließend Professor Knoll aus Wien dar. Er erklärte, dass Recht und Volksbewusstsein, die in der kulturellen Leistung des böhmischen Deutschtums sichtbar werden, der Bewegung die Berechtigung gäben.[1]
Den Abschluss bildeten die Worte des Bundesvorsitzenden, Admiral von Trotha.[1] Er mahnte, den sudetendeutschen Freiheitswillen nicht isoliert, sondern als organischen Teil einer gesamtdeutschen Entwicklung zu betrachten, deren Ziel es sei, alle zur Freiheit zu führen.[1] Der rheinischen Zeitung zufolge war dieser eindrucksvollen Kundgebung allerdings ein Begrüßungsabend vorausgegangen. Gegen die Gestaltung dieses Abends müssten erhebliche Bedenken geltend gemacht werden.[1]