Die radikale Umgestaltung des russischen Bildungswesens zieht zunehmend die Aufmerksamkeit ausländischer Beobachter auf sich. Nach Angaben der Kölnischen Zeitung rühmen die Repräsentanten der Bolschewiki häufig mit großen Worten, welch hohe Kultur durch ihr politisches Regiment in die Volks- und Mittelschulen getragen worden sei.[1] Dennoch bleibt Reisenden meist ein tieferer Einblick in die tatsächlichen Erziehungsmethoden des neuen Staates verwehrt.[1]

Ein markantes Merkmal des Systems ist die systematische Verdrängung des elterlichen Einflusses. Die Erziehung der Kinder obliegt nicht länger der Familie, sondern ist vollständig vom Staat übernommen worden.[1] Das gesamte sowjetische Lehrprogramm ist konsequent atheistisch ausgerichtet.[1] Dies zeigt sich daran, dass die Schulen die Jugend gezielt zu einer religionsfreien Lebensauffassung erziehen. Erst mit dem Erreichen des achtzehnten Lebensjahres dürfen die Schüler formal selbst über eine etwaige Konfession entscheiden.[1]

Die Resultate dieser Pädagogik sind im Moskauer Alltag unübersehbar. Bereits Heranwachsende nehmen oft eine dezidiert freidenkerische Haltung ein und betrachten religiöse Überzeugungen als überholten Konservatismus.[1] Trotz der staatlichen Erfolgsmeldungen warnen Kritiker vor den fatalen Folgen eines derartigen Eingriffs. Die Kölnische Zeitung urteilt scharf, dass die Kinder unter dem Deckmantel einer angeblich hohen Kultur in Wahrheit moralisch und geistig bankrottgingen.[1]