Ein orkanartiger Sturm, der nach Berichten des Hufvudstadsbladet seinen Ursprung im Nordatlantik bei Schottland nahm und in Bornholm Windstärken bis zu 11 Beaufort erreichte, hat an der gesamten Nordseeküste eine Spur der Verwüstung hinterlassen.[1] Wie die Badische Presse meldet, beläuft sich die Zahl der auf der Nordsee ums Leben gekommenen Personen auf insgesamt neunzehn.[2] Die Naturgewalten trieben ungeheure Wassermengen gegen die Küsten. In mehreren Niederungsgebieten brach die Flut die Deiche.[3]

Besonders schwer betroffen ist das Eidergebiet. Die Kölnische Zeitung berichtet, dass der Fluss an zwei Stellen den Damm durchbrochen hat. Die Eiderstädter Sommerköge stehen nun vollständig unter Wasser.[4] In Brunsbüttelkoog stürzte ein großer Kran einer Bunkerkohlengesellschaft krachend in sich zusammen.[4][3] Der Sönke-Nissen-Koog musste wegen akuter Sturmflutgefahr geräumt werden; die dortigen Deiche hielten der Flut stand, erlitten jedoch ebenso wie jene des Cäcilien-Koogs erhebliche Beschädigungen.[4][3] Der materielle Schaden für die Landwirtschaft ist groß, da weite Teile des Weideviehs und der Hackfrüchtebestand vernichtet wurden.[4] Allein bei Rödenis ertranken über hundert Schafe in den rasch steigenden Fluten.[3]

Auch die Inseln blieben nicht verschont. Auf Sylt stürzte laut dem Westfälischen Merkur einer der Funktürme ein, die den Nachrichtenverkehr nach Südamerika vermitteln.[5] Der im Bau befindliche Eisenbahndamm nach Westerland erlitt starke Beschädigungen an den mit Rasensoden bedeckten Böschungen. Das Fundament erwies sich jedoch als sturmfest, wie die Reichsbahndirektion Altona mitteilte.[4][3] Die Insel Helgoland erlebte den schwersten Sturm seit 1894.[3] Gewaltige Brecher spülten große Teile des Sandes an der Nordostseite weg, zerstörten Badekabinen und brachten den Dünenpavillon in akute Gefahr.[3]

Auf See spielten sich dramatische Rettungsaktionen ab. Der Bergungsdampfer Seehund verlor bei dem Versuch, dem in Seenot geratenen Dampfer Simon von Utrecht zu Hilfe zu eilen, einen Mann, der von einer schweren Welle über Bord gespült wurde.[5][3] Vor der holländischen Küste sank der Heringslogger Agathe Maria mit vierzehn Mann Besatzung.[5] Währenddessen verlagerte sich der Sturm nach Osten; die Helsingin Sanomat meldet aus dem Baltikum Windstärken von 12 Beaufort sowie einen kritischen Anstieg des Newa-Pegels in Leningrad um zwei Meter.[6] Angesichts der ausgedehnten Zerstörungen hat die sozialdemokratische Fraktion im Preußischen Landtag einen Eilantrag eingebracht. Das Staatsministerium soll umgehend Mittel zur Beseitigung der dringendsten Notschäden bereitstellen.[3]