Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung meldet, äußerte sich der französische Botschafter, René Besnard, unlängst in einem Interview über die diplomatischen Spannungen zwischen Rom und Paris.[1] Der Diplomat zeigte sich über die in Umlauf gebrachten Intrigen äußerst indigniert und verkündete der Weltöffentlichkeit, dass er sowohl in Paris als auch in Rom weiterhin als persona grata gelte.[1] Besnard betonte ausdrücklich: „Ich habe mich immer bemüht, jede Misshelligkeit zwischen Frankreich und Italien zu beseitigen.“[1] Nach den jüngsten Irritationen genügte demnach eine überaus herzliche Unterhaltung mit Mussolini, um die lästige Pressepolemik abrupt anzuhalten.[1] Die großen italienischen Blätter veröffentlichten kaum zwölf Stunden nach dieser Unterredung keine Zeile mehr, die nicht dem offenkundigen Wunsch entsprang, die erhitzten Geister wieder zu beruhigen.[1]

Diese zuversichtliche Behauptung Besnards entspricht laut den vorliegenden Berichten den Tatsachen, bedarf jedoch einer entscheidenden Ergänzung.[1] Seit jenem Tag ist, gänzlich aus heiterem Himmel, Deutschland zum neuen Prügelknaben für den aufgestauten italienischen Missmut geworden.[1] Die Berichterstattung über Thoiry und die leidigen Rheinlandzwischenfälle wurde offenbar von der französischen Rechtspresse beeinflusst oder, wenn man so will, gezielt gelenkt.[1] Beispielsweise wurde die Rede Poincarés in Bar-le-Duc ohne Zögern mit der Unterredung zwischen Chamberlain und Mussolini in Livorno in eine politische Linie gestellt.[1]

Auch die Kritik an dem neugeschaffenen deutsch-französisch-belgisch-luxemburgischen Eisenkartell enthielt zuletzt häufig deutliche Spitzen, die sich mit Schärfe gegen Deutschland allein richteten.[1] Eine italienische Tageszeitung beklagte kürzlich die Einfuhr pharmazeutischer Produkte, richtete ihre Angriffe am Ende aber ausschließlich gegen deutsche Präparate.[1] Auf kulturellem Gebiet setzt sich diese Tendenz fort — so wandert der Hetzfilm Die apokalyptischen Reiter gegenwärtig in Italien von einem Kinotheater zum anderen.[1] Die Deutschen haben sich im Lauf der letzten Jahre notgedrungen ein dickes Fell angewöhnt, sodass sie derartige Nadelstiche häufig gar nicht mehr bemerken.[1] Es wird jedoch langsam Zeit, dass die Öffentlichkeit sich gegen diesen Mangel an Anstand zur Wehr setzt und für sich eine Behandlung in Anspruch nimmt, die zwischen gesitteten Völkern als üblich gilt.[1]