Am kommenden Montag, dem 18. Oktober, wird das norwegische Volk an die Urnen treten, um in einer entscheidenden Abstimmung über das Schicksal des Alkoholverbots zu befinden.[1] Wie die finnische Helsingin Sanomat ausführlich berichtet, geht es bei diesem Plebiszit konkret um die Frage, ob das geltende Einfuhr- und Verkaufsverbot für Branntwein aufrechterhalten oder endgültig aufgehoben werden soll.[1]
Die letzte Volksbefragung dieser Art fand vor genau sieben Jahren im Oktober 1919 statt.[1] Damals zählte das Land rund 1,2 Millionen Wahlberechtigte. Von diesen stimmten 489.017 für und 304.673 gegen die Prohibition.[1] Etwa 400.000 Bürger blieben der Wahl fern.[1] Die Voraussetzungen haben sich seitdem jedoch erheblich verschoben. Die Zahl der Stimmberechtigten ist um eine Viertelmillion gestiegen, was in erster Linie auf die Herabsetzung des Wahlalters von 25 auf 23 Jahre zurückzuführen ist.[1] Der Gegenstand der Abstimmung ist zudem wesentlich enger gefasst als noch 1919.[1] Heute stehen ausschließlich hochprozentige Spirituosen wie Kognak und Whisky zur Disposition.[1] Starke Weine wurden vom Verbot bereits ausgenommen, nachdem handelspolitische Gründe zu entsprechenden Zugeständnissen zwangen.[1]
Die Befürworter der Prohibition machen geltend, dass mittlerweile keine ausländische Einflussnahme mehr drohe und die Wähler frei entscheiden könnten.[1] Die Gegner argumentieren hingegen, in Norwegen würden ohnehin jährlich rund zehn Millionen Liter Wein konsumiert. Daher verfehle die Aufrechterhaltung eines bloßen Teilverbots ihren Zweck.[1] Die gesellschaftlichen Lager sind tief gespalten — selbst die Geistlichkeit präsentiert sich uneinig: Erzbischof Lunde hat sich öffentlich für das Verbot ausgesprochen, während 61 Pfarrer der Staatskirche einen Aufruf gegen dessen Beibehaltung unterzeichneten.[1] Der Helsingin Sanomat zufolge sind die Linksparteien eifrige Verfechter der Prohibition, während die Sozialdemokraten in sich zerrissen sind.[1] Unterdessen klagen die Gegner des Verbots, dass ihnen für den Abstimmungskampf deutlich weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stünden als den gut organisierten Abstinenzlern.[1]