Ein historischer Schritt vollzieht sich am Fuße des Himalaya — die jahrhundertealte Institution der Leibeigenschaft im Königreich Nepal gehört endgültig der Vergangenheit an. Wie die englischsprachige China Mail aus Asien berichtet, geht aus einer jüngst veröffentlichten offiziellen Verlautbarung in Katmandu hervor, dass die ehrgeizige Kampagne des regierenden Maharadschas gegen die Sklaverei mit der Freilassung von 67.889 Sklaven einen triumphalen Abschluss gefunden hat.[1] Von staatlicher Seite wird nunmehr feierlich erklärt, dass die Sklaverei in den Grenzen Nepals nicht mehr existiert.[1]
Die Befreiungsaktion, die bereits Anfang des vergangenen Jahres eingeleitet worden war, ist offenbar äußerst sorgfältig geplant worden.[1] Den Berichten zufolge verlief der gesamte Prozess bemerkenswert reibungslos. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die bisherigen Besitzer der Leibeigenen in vorbildlicher Weise mit den Behörden kooperierten.[1]
(Bild: Eine Gruppe befreiter nepalesischer Bauern in traditioneller Kleidung vor einem Tempel in Katmandu.)
Aus den amtlichen Statistiken geht hervor, dass sich von den insgesamt 16.719 registrierten Sklavenhaltern die weitaus größte Mehrheit unverzüglich für eine sofortige Freilassung ihrer Schutzbefohlenen aussprach.[1] Weniger als 500 Eigentümer widersetzten sich der gesetzlichen Abschaffung ernsthaft, was angesichts der tiefen wirtschaftlichen Verwurzelung dieses Systems überraschend erscheint.[1]
Besonders beachtlich ist außerdem die Tatsache, dass 4.651 Sklaven von ihren bisherigen Herren aus freiem Entschluss und ohne Kosten für die Staatskasse in die Unabhängigkeit entlassen wurden.[1] Dennoch erforderte die humanitäre Politik des Maharadschas für die breite Masse der Fälle erhebliche finanzielle Opfer. Die nepalesische Regierung hat für die Abfindung der übrigen Besitzer über 36 Lakhs Rupien aufgewendet, was nach derzeitigem Kurs einer Summe von etwa 240.000 britischen Pfund Sterling entspricht.[1] Die durchschnittliche Entschädigungssumme, die aus der Staatskasse gezahlt wurde, belief sich dabei auf siebzig Rupien für jeden befreiten Sklaven.[1] Die festgelegten Tarife der Behörden begannen bei fünfzehn Rupien und sicherten den friedlichen Übergang.[1] Damit schließt sich ein bedeutendes Kapitel der asiatischen Sozialgeschichte.