Der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini weilt in diesen Tagen in seinem Geburtsort Predappio, wo er sich vor den Augen der Öffentlichkeit der ländlichen Arbeit widmet.[1][2] Laut Berichten der Los Angeles Times reihte sich der Regierungschef in die Schar der gewöhnlichen Landarbeiter ein und bediente auf den Getreidefeldern der Region persönlich eine neuartige Sämaschine.[2] Im Anschluss bestieg er eine Mähmaschine, die von zwei gewaltigen Ochsen gezogen wurde, und stellte bei der Handhabung der landwirtschaftlichen Geräte ein beträchtliches Geschick unter Beweis.[1][2]
Diese demonstrative Zurschaustellung bäuerlicher Arbeit bildet einen scharfen Kontrast zu den weitreichenden und harten innenpolitischen Maßnahmen, die das Regime in Rom parallel verhängt hat. Vor allem die Wiedereinführung der Todesstrafe hat auf der gesamten Apenninen-Halbinsel beträchtliches Aufsehen erregt. Sie führt vereinzelt zu grotesken gesellschaftlichen Reaktionen.[3] Aus der Badischen Presse geht hervor, dass sich bei den Behörden bereits fünfzehn Italiener offiziell um den wiedergeschaffenen Posten des Scharfrichters beworben haben.[3] Unter den Interessenten befindet sich demnach auch eine aus Georgien stammende Frau. In ihrem Schreiben beteuert sie, keinerlei Furcht vor Blut zu haben und den Anforderungen vollauf gewachsen zu sein.[3] Als zynische Begründung für ihre Eignung fügte die Dame die Bemerkung hinzu, es müsse für den Delinquenten zweifellos „angenehmer sein, von der Hand einer Frau zu sterben“.[3]
Während die Öffentlichkeit durch diese makabren Randerscheinungen beschäftigt ist, analysiert die Auslandpresse die tieferen politischen Ursachen der neuen Justizgesetzgebung. Die Moskauer Prawda wertet das Vorgehen als Zeichen dafür, dass sich der Faschismus nach dem Ausbleiben des versprochenen wirtschaftlichen Wiederaufbaus nur noch durch ein geschlossenes System des Terrors an der Macht halten könne.[4] Dem sowjetischen Parteiorgan zufolge wird das italienische Parlament — dem ohnehin kaum noch legislative Funktionen geblieben sind — das Todesstrafengesetz mit blindem Enthusiasmus annehmen.[4] Die Prawda schließt ihren Bericht mit der Einschätzung, das Kabinett Mussolini benötige dieses drakonische Instrument zwingend. Nach dem bereits vollzogenen Verbot der Streiks solle nun auch die Vernichtung der letzten Reste der kommunalen Autonomie und der freien Presse vollendet werden.[4]