Die spanische Befriedungsaktion im nordafrikanischen Protektorat schreitet nach den jüngsten militärischen Erfolgen gegen die aufständischen Stämme zügig voran. Wie das Madrider Blatt El Sol berichtet, äußerte sich der Oberkommandierende, General Sanjurjo, überaus zuversichtlich über die gegenwärtige Lage in Marokko.[1] Nachdem in der ersten Phase der ausgedehnten Operationen das unwegsame Kerngebiet von Beni-Urriaguel besetzt worden war und der hartnäckige Widerstand des Rifführers Abd el-Krim gebrochen werden konnte, konzentrieren sich die spanischen Bemühungen nun auf die dauerhafte Sicherung der strategischen Positionen.[1]
Die zweite Etappe des groß angelegten Feldzuges habe die Rückkehr der spanischen Kolonnen nach Xauen zum Ziel. Außerdem soll die planmäßige Entwaffnung der Kabylen in den unruhigen Regionen Gomara und Yebala erfolgen.[1] Die allgemeine Beruhigung des zerrissenen Landes illustrierte General Sanjurjo mit einem anschaulichen Beispiel. Es sei ihm unlängst möglich gewesen, die weite Strecke von Tetuan nach Melilla zu Pferde und mit lediglich einer kleinen Eskorte zurückzulegen.[1] Ein solcher Ritt durch das unwirtliche Rif-Gebiet wäre noch vor wenigen Monaten undenkbar gewesen. Nach Ansicht der Militärführung zeugt dies von der raschen Konsolidierung der spanischen Autorität.[1]
Für die bevorstehenden Wintermonate kündigt das Oberkommando eine weitere Intensivierung der Befriedungsmaßnahmen an.[1] Im Mittelpunkt der Operationen steht dabei das Gebiet von Beni-Ider, wo die spanischen Interventionsstellen stetig an Einfluss gewinnen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Autoritäten wie dem Kaid Telal hat sich dabei bewährt.[1] Auch der noch verbliebene Unruheherd bei Sumata, der in der Vergangenheit oft als uneinnehmbar galt, soll in Kürze endgültig beseitigt werden.[1] General Sanjurjo zeigte sich überzeugt, dass dieser Widerstandsschwerpunkt notfalls allein mit einheimischen Hilfstruppen ausgehoben werden kann.[1]
Langfristig plant die Madrider Regierung eine grundlegende Umstrukturierung und deutliche Reduzierung der kostenintensiven Militärpräsenz. Nach Angaben von El Sol beabsichtigt General Sanjurjo, die alltäglichen Sicherheitsaufgaben schrittweise an indigene Truppenkontingente sowie an die örtlichen Verwaltungsstellen zu übertragen.[1] Die regulären Truppen, die von der iberischen Halbinsel entsandt wurden, sollen dementsprechend allmählich in den Hintergrund treten und den spanischen Staatshaushalt entlasten.[1]
Sobald die Entwaffnung der nordafrikanischen Stämme so weit fortgeschritten ist, dass Waffen nur noch heimlich versteckt werden können, muss der zügige Übergang von einer militärischen auf eine administrative Durchdringung des Protektorats erfolgen.[1] Anstelle von bewaffneten Strafexpeditionen sollen künftig umfangreiche öffentliche Bauten, der Ausbau von Verkehrswegen und die systematische landwirtschaftliche Kolonisation die spanische Marokkopolitik bestimmen.[1] Nur durch eine zielgerichtete wirtschaftliche Erschließung, so das Resümee in militärischen Kreisen, lässt sich die Region dauerhaft befrieden.[1]