Der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion hat beschlossen, im laufenden Jahr 1926 eine umfassende Volkszählung im gesamten Staatsgebiet durchzuführen.[1] Wie die Prawda berichtet, steht die sowjetische Verwaltung vor einer enormen Herausforderung, da verlässliche Daten zur Bevölkerungsstruktur und -entwicklung bislang fast vollständig fehlen.[1] In den vergangenen Jahren der Revolution und des Bürgerkrieges begleiteten statistische Abteilungen teilweise unmittelbar die vorrückende Rote Armee. Nur so konnten in den eroberten Gebieten erste Zählungen vorgenommen werden.[1]
Die demografischen Verwerfungen, die durch den Krieg und die verheerende Hungersnot der Jahre 1920 und 1921 verursacht wurden, ließen sich bisher kaum exakt bemessen.[1] Nach Angaben der Moskauer Zeitung ist die Erfassung der natürlichen Bevölkerungsbewegung erst seit 1924 in den europäischen Teilen der Russischen SFSR sowie in der Ukraine in den Standesämtern notdürftig geregelt.[1] In den asiatischen Randgebieten der Union existierte vor dem Krieg überhaupt keine systematische Registrierung von Geburten und Sterbefällen.[1] Dennoch geht man in den zuständigen Regierungskreisen derzeit von einer bemerkenswert hohen Geburtenrate von etwa 45 Geburten auf 1000 Einwohner aus.[1]
Besondere Schwierigkeiten bereitet derweil die mechanische Bevölkerungsbewegung.[1] Wegen der vorherrschenden Freizügigkeit entziehen sich die massenhafte Abwanderung von Bauern in die Städte und andere Migrationsbewegungen bisher weitgehend der amtlichen Kontrolle.[1] Die kommende allgemeine Volkszählung soll nun — trotz aller absehbaren Hürden — erstmals eine gesicherte Grundlage für die staatlichen Wirtschafts- und Versorgungspläne der Sowjetunion liefern.[1]