Der innerparteiliche Machtkampf in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) steuert auf eine Entscheidung zu. Wie die Prawda in breiter Form berichtet, formiert sich in den unteren Parteizellen ein organisierter und scharfer Widerstand gegen die sogenannte Opposition, die von Trotzki (Leo Trotzki), Sinowjew (Grigori Sinowjew) und Kamenew (Lew Kamenew) geführt wird.[1] Die offizielle Parteizeitung wirft den Abweichlern vor, die Beschlüsse des vierzehnten Parteitages und des Zentralkomitees systematisch zu untergraben sowie durch fraktionelle Umtriebe das sozialistische Aufbauwerk der Sowjetunion zu gefährden.[1]
Die Berichterstattung des Moskauer Zentralorgans zeichnet das Bild einer isolierten Oppositionsgruppe. Deren Forderung nach einer neuen allgemeinen Parteidiskussion wird von der Basis mit Empörung zurückgewiesen.[1] In zahllosen Resolutionen aus Betrieben und lokalen Gliederungen — darunter aus Ufa, Bogorodsk und den Arbeitervierteln Moskaus und Leningrads — wird die bedingungslose Unterwerfung der Minderheit unter die Parteidisziplin verlangt.[1] Auch die wirtschaftlichen Konzepte der Oppositionellen stoßen auf harsche Kritik: Forderungen, den Konsumgenossenschaften Mittel für eine beschleunigte Industrialisierung zu entziehen, werden von der Parteibasis als Angriff auf den Lebensstandard der Arbeiter und als Gefährdung des stabilisierten Tscherwonez gewertet.[1]
Ein wiederkehrender Vorwurf lautet, die Oppositionsführer hätten sich in einen kleinbürgerlichen Trotzkismus verrannt und schadeten der Einheit der weltweiten kommunistischen Bewegung.[1] Namentlich wird das Vorgehen von Parteifunktionären wie Laschewitsch (Michail Laschewitsch), Belenki (Grigori Belenki) und Schljapnikow (Alexander Schljapnikow) unerbittlich verurteilt. Letzterer soll wegen „böswilliger Demagogie“ und Verleumdung des Zentralkomitees zur Verantwortung gezogen werden.[1] Die Prawda beruft sich ausdrücklich auf Worte Stalins (Josef Stalin): „Die Partei will die Einheit, und sie wird sie erreichen.“[1]
Die massiven Disziplinierungsmaßnahmen und der Druck des Parteiapparates haben offenbar bereits eine entscheidende Wirkung erzielt. Nach Angaben der Washington Post konnte ein offener Bruch der Kommunistischen Partei im letzten Moment abgewendet werden, da Trotzki und Sinowjew faktisch kapituliert hätten.[2] Die beiden Wortführer räumten demnach ein, dass ihre Angriffe auf das Zentralkomitee falsch gewesen seien.[2]
Durch dieses Einlenken entgehen die Oppositionsführer vorerst extremen Disziplinarstrafen oder einem Parteiausschluss, wie sie in weiten Kreisen der Kommunisten bereits nachdrücklich gefordert worden waren.[2] Die regierende Gruppe um Stalin hat so ihre Machtposition weiter gefestigt.[2] Dem amerikanischen Blatt zufolge wird die siegreiche Mehrheit dadurch in die Lage versetzt, ihre politische Linie — insbesondere die forcierte Zusammenarbeit mit der bäuerlichen Bevölkerung — ohne störende parteiinterne Querschüsse fortzusetzen.[2] Die anhaltend heftige Kampagne in der sowjetischen Presse zeigt jedoch, wie tief das Misstrauen der Parteiführung gegenüber den unterlegenen Kritikern weiterhin sitzt.[1]