Der Besuch des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in der altehrwürdigen Welfenstadt gestaltete sich zu einem bemerkenswerten Bekenntnis sowohl zur föderalen Struktur des Reiches als auch zur unbedingten nationalen Geschlossenheit.[1] Bei einem festlichen Empfang brachten die Vertreter des Landes Braunschweig ihre tiefe Verbundenheit mit dem Staatsoberhaupt zum Ausdruck.[1] Ein Redner würdigte den Präsidenten dabei als den besten Mann Deutschlands, der sich dem Vaterland in schwerster Zeit nicht versagt habe.[1] Diese Tatsache sei eine untrügliche Bürgschaft für den Wiederaufstieg.[1] Ferner äußerte der Sprecher den innigen Wunsch, dass es der ruhigen Führung Hindenburgs gelingen möge, das deutsche Volk besseren Tagen entgegenzuführen.[1] Zugleich betonte er den Stolz der Braunschweiger auf die Selbstständigkeit ihres kleinen Heimatlandes.[1]

In seiner Erwiderung zeigte sich der Reichspräsident erfreut, nach vielen Jahren wieder einmal in Braunschweig weilen zu können. Er begrüßte die Möglichkeit, mit den leitenden Männern des Landes in einen direkten Austausch zu treten.[1] Wie der Westfälische Merkur berichtet, nutzte Hindenburg die Gelegenheit für eine grundsätzliche Einordnung des Verhältnisses von Reich und Ländern.[1] Er versicherte den Anwesenden, dass er in der Erhaltung der geschichtlich entstandenen Eigenart der deutschen Länder eine der mächtigsten Wurzeln des nationalen und kulturellen Lebens erblicke.[1] Aus der Vielgestaltigkeit der Stämme und Regionen könne sich das Leben des Volkes am reichsten entfalten.[1]

Dieser föderale Gedanke dürfe jedoch keinesfalls in eine Zersplitterung münden.[1] Die landespolitische Entfaltung bedürfe vielmehr der starken Zusammenfassung, um eine einheitliche und kraftvolle Betätigung nach außen und innen zu gewährleisten.[1] Die Zusammenarbeit von Ländern und Reich bilde nur den einen Pfeiler des Wiederaufbaus; der andere Pfeiler müsse die unbedingte Zusammenfassung aller Deutschen in jenen Fragen sein, welche die Zukunft der gesamten Nation angehen.[1] Mit deutlichen Worten beklagte das Staatsoberhaupt, dass das staatsbürgerliche und nationale Gemeinschaftsgefühl im Alltag noch viel zu wünschen übrig lasse.[1] Er richtete daher den dringenden Appell an die versammelten Politiker und Wirtschaftsführer, in ihrer täglichen Arbeit für den Gedanken der Einigung zu wirken.[1]

Der Weg zur äußeren Freiheit und inneren Erstarkung sei noch immer ein schwerer und dornenvoller.[1] Nur wenn dieser Pfad einträchtig beschritten werde, lasse sich das harte Schicksal meistern.[1] Seine Rede schloss der Präsident mit einem Hoch auf das Land Braunschweig und das deutsche Vaterland.[1] Im Anschluss an die offiziellen Feierlichkeiten in der Stadt verließ Hindenburg Braunschweig und traf nach Mitternacht in Groß-Schwülper ein.[1] Dort gedenkt er — fernab der unmittelbaren Regierungsgeschäfte — sich bis zum kommenden Montag auf dem Gut des Freiherrn von Marenholtz aufzuhalten.[1]