Die Auseinandersetzungen um das Minderheitenschulwesen in Polnisch-Oberschlesien haben sich in den vergangenen Tagen merklich verschärft. Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung berichtet, weigern sich die polnischen Behörden, eine beträchtliche Anzahl von Anmeldungen für die deutschen Minderheitenschulen anzuerkennen.[1] Zur Begründung wird polnischerseits angeführt, dass die betreffenden Kinder aus bilingualen Familien stammten und der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig seien, um dem Unterricht folgen zu können.[1] Die Vertreter der deutschen Minderheit erblicken in diesem Vorgehen jedoch einen eklatanten Verstoß gegen die Bestimmungen des Genfer Abkommens über Oberschlesien. Dieses Abkommen verbrieft die kulturellen Rechte der alteingesessenen Bevölkerung und sichert den Eltern verbindlich die freie Wahl der Schulsprache zu.[1]

Dem Westfälischen Merkur zufolge bereiten die Interessenvertreter in Kattowitz bereits weitreichende juristische Schritte vor.[2] Aus informierten Kreisen verlautet, dass nunmehr die offizielle Anrufung des Völkerbundrates in Genf unmittelbar bevorstehe, um eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle zu erzwingen.[2] In Berlin verfolgt man die Entwicklung mit erheblicher Sorge. Die andauernde Schulfrage droht die ohnehin fragilen diplomatischen Beziehungen beider Staaten weiter zu belasten. Die polnische Verwaltung ist offensichtlich bestrebt, den deutschsprachigen Einfluss in den östlichen Industriegebieten sukzessive zurückzudrängen.[1]