In den festgefahrenen diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den westlichen Mächten zeichnet sich möglicherweise eine überraschende Wende ab. Nach Angaben der Daily News aus Helsingfors soll die Moskauer Führung den Entschluss gefasst haben, ihre unnachgiebige Haltung aufzugeben und die russischen Vorkriegsschulden anzuerkennen.[1] Wie das Blatt berichtet, sei die Sowjetregierung bereit, die heikle Schuldenfrage in einer Form zu lösen, die für alle beteiligten Gläubigerstaaten akzeptabel wäre.[1] Ein wesentlicher Bestandteil dieses diplomatischen Kurswechsels betrifft das britisch-russische Verhältnis. Moskau beabsichtige überdies, die bolschewistische Propaganda einzustellen.[1] Sollte diese aus Finnland stammende Information zutreffen, wären die beiden bedeutenden Bedingungen Londons für eine Wiederaufnahme der offiziellen Verhandlungen mit Russland erfüllt: die Einstellung der revolutionären Agitation sowie die vertragliche Tilgung der alten Schuldenlasten.[1]

Hinsichtlich der praktischen Umsetzung plant die Regierung, eine Konferenz mit den anderen Mächten auf neutralem Boden vorzuschlagen.[1] Gleichwohl wird ein Eintritt in den Völkerbund weiterhin kategorisch abgelehnt.[1] Anstatt sich dem Genfer System anzuschließen, strebt Moskau nach Angaben des britischen Zeitungsberichts den Abschluss separater Einzelabkommen an. Auf diesem Wege hofft die Sowjetregierung, ihre eigenen Staatsgrenzen garantieren zu lassen.[1]

Bereits in der Vergangenheit hatten Kreise um den sowjetischen Diplomaten Leonid Krassin ähnliche Gerüchte über eine mögliche Rückkehr zu den internationalen Finanzmärkten verbreitet. Damals fanden diese jedoch keinen Glauben.[1] Diplomatische Kreise mahnen zur Vorsicht. Noch vor Kurzem wurde halbamtlich erklärt, dass entsprechende Vorbesprechungen in der Vergangenheit überhaupt nicht stattgefunden hätten.[1]