Paris, 31. März. Nach einer vier Monate andauernden Untersuchung hat der Untersuchungsrichter Payre das Verfahren gegen einen mutmaßlichen englischen Spionagering zum Abschluss gebracht.[1] Wie der Figaro berichtet, werden sich drei Engländer sowie zwei weibliche Komplizinnen in Kürze vor der Strafkammer verantworten müssen.[2][1] Die Hauptangeklagten sind John Leather — der in Paris als Direktor einer englischen Firma für Radiotelegrafie firmierte —, Oliver Philipps und William Fisher.[1] Ihnen wird vorgeworfen, gezielt Informationen über die Landesverteidigung und die äußere Sicherheit Frankreichs gesammelt zu haben.[1]

Besonderes Aufsehen erregt in diesem Fall die Verstrickung der jungen Marcelle Monseil, die unter dem Namen Marthe Moreuil oder ‚Madame Foxtrott‘ auftrat.[3][4] Der Hong Kong Telegraph berichtet, die Presse bezeichne die Beschuldigte bereits als eine neue „Mata Hari“.[4] Nach Ermittlungen der Behörden war sie beauftragt worden, detaillierte Informationen über die französische Luftwaffe einzuholen.[3] Dabei ging es insbesondere um die Anzahl, die Bauart und die Leistungsfähigkeit der Flugzeuge auf den Stützpunkten St. Nazaire, Bordeaux, Hyères und St. Raphael sowie um die allgemeine Organisation der dortigen Flugplätze.[4]

Dem Berliner Tageblatt zufolge gehörten die drei Männer dem Erkundungsdienst der englischen Armee an. Leather verbarg seine wahre Mission hinter dem Geschäft mit drahtlosen Apparaten.[3][4] Zusätzliches Material soll eine zweite Frau geliefert haben: die aus Rouen stammende und in Toulon verhaftete Tänzerin Andrée Lefebvre.[3][2] Auch militärische Geheimnisse der Marine und der Artillerie seien laut dem Harburger Tageblatt systematisch ausgespäht worden.[2] Die Verdächtigen wurden in den vergangenen Monaten unter strengster Geheimhaltung vernommen. Die genauen Umstände dürften daher erst in der bevorstehenden Hauptverhandlung öffentlich erörtert werden.[4]