Rom, 31. März. Nach den jüngsten Beschlüssen des italienischen Parlaments ist das Streikrecht in Italien endgültig aufgehoben worden. Wie aus übereinstimmenden Berichten hervorgeht, unterwirft die neue Syndikatsgesetzgebung das gesamte Verhältnis von Kapital und Arbeit der Kontrolle durch den faschistischen Staat.[1]
Der Madrider Sol meldet Einzelheiten zu den weitreichenden Bestimmungen: Künftig wird in jedem Wirtschaftszweig nur noch ein einziges, staatlich anerkanntes Syndikat zugelassen.[1] Um diese Anerkennung zu erlangen, genügt es bereits, wenn die Vereinigung zehn Prozent der betroffenen Arbeiterschaft vertritt — Voraussetzung ist jedoch ein eindeutiges Bekenntnis zur faschistischen Doktrin.[1] Diese Syndikate vertreten fortan verbindlich alle Arbeiter einer Branche, erheben obligatorische Jahresbeiträge und bedürfen für ihre Führungsgremien der Bestätigung durch das Innenministerium oder die zuständigen Präfekten.[1] Letztere können die Vorstände jederzeit auflösen.[1]
Für sämtliche Arbeitskonflikte wird eine neue Magistratur der Arbeit eingerichtet, deren Urteile bindend sind.[1] Diese Schiedsgerichte setzen sich aus staatlich ernannten Richtern und Fachleuten zusammen.[1] Aussperrungen und Streiks sind nunmehr strengstens verboten.[1] Wer sich diesem Verbot widersetzt, dem drohen nach Angaben des Sol drakonische Strafen von bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldbußen von mehr als einer Million Lire.[1] Arbeiter und Industrielle, die sich der Diktatur nicht fügen, werden damit faktisch außerhalb der gewerkschaftlichen Gesetzgebung gestellt.[1]