Die von der bayerischen Regierung geplante durchgreifende Verwaltungsreform stößt auf zunehmenden Widerstand.[1] Aus München wird berichtet, dass sich auf Seiten verschiedenster Interessengruppen eine starke Opposition gegen die beabsichtigte Vereinfachung des Staatsapparates bildet.[1] Der bayerische Ministerpräsident Heinrich Held hatte kürzlich vor dem Landtag unmissverständlich erklärt, dass Bayern seine Selbstständigkeit aufgeben und zu einer bloßen Reichsprovinz werden müsse, falls es nicht gelinge, durch eine Verbilligung der Verwaltung den Ausgabeetat erheblich zu senken.[2]
Angesichts der wachsenden Widerstände droht nun ein offener Konflikt, der sogar den Zerfall der Regierungskoalition nach sich ziehen könnte.[2] Die Augsburger Postzeitung, das führende Blatt der Bayerischen Volkspartei, stellte sich jedoch demonstrativ hinter den Ministerpräsidenten.[2] Nach Angaben der Zeitung ist Held gewillt, die Reform um jeden Preis durchzusetzen.[2] Sollten sich allerdings parteipolitische und lokale Einflüsse als stärker erweisen als die zwingenden Staatsnotwendigkeiten, werde Held — und mit ihm das gesamte Kabinett — die Konsequenzen ziehen und zurücktreten.[3] Auch der Finanzminister sei in einem solchen Fall nicht bereit, länger im Amt zu verbleiben.[2]
Die Kölnische Zeitung widerspricht diesen drastischen Darstellungen. Ein sofortiger geschlossener Rücktritt des Ministeriums im Falle eines Scheiterns sei in dieser Form jedenfalls unzutreffend.[4] Dennoch räumt das Blatt ein, dass eine derartige Rücktrittsdrohung als letztes Druckmittel ausgesprochen werden könnte, falls die geplanten Einsparungen ernsthaft gefährdet wären.[4]
Unterdessen hat der Vorstand des Bayerischen Städtebundes in einer außerordentlichen Sitzung entschieden gegen die Regierungspläne protestiert.[3] Die kommunale Vertretung kritisiert insbesondere die geplante Steuersenkung bei gleichzeitiger Auslagerung der Schullasten auf die Gemeinden, da durch diese Maßnahmen die Existenz der Kommunen akut bedroht werde.[3] Zwar hat sich der Städtebund bereit erklärt, an einer Vereinfachung der Staatsverwaltung unter Berücksichtigung kommunaler Belange mitzuwirken, doch wurde sogleich die Einberufung einer Sondertagung der vereinigten Gemeinden beschlossen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.[3] Das bayerische Kabinett ist somit gezwungen, die Vertrauensfrage faktisch an die Staatsbürger zu richten, um die aus seiner Sicht unbedingt notwendigen Reformen zu sichern.[2]