Was man auf den ersten Blick für einen gelungenen Aprilscherz halten könnte, erweist sich als eine handfeste politische Volte: Adolf Hitler, den die Öffentlichkeit sich bislang kaum anders als mit einem schäumenden Maßkrug in der Hand vorstellte, tritt nun als entschiedener Gegner des Alkoholkonsums auf.[1] Wie der Vorwärts unter Berufung auf einen Artikel im Völkischen Beobachter berichtet, predigt der nationalsozialistische Parteiführer vehement gegen die Auswüchse des Alkoholismus.[1]

In seinen Ausführungen bemüht Hitler einen drastischen Vergleich. Das Gift habe im deutschen Volk bereits mehr wertvolle Menschen vernichtet, als auf allen Schlachtfeldern eines ganzen Jahrhunderts gefallen seien.[1] Folgerichtig erklärt er den Kampf gegen den Alkohol zu einer moralisch unangreifbaren „Völkermission“.[1]

Besonders scharf geht der Parteiführer mit der Brauindustrie und den Unternehmerverbänden ins Gericht.[1] Deren Argumentation, man dürfe dem sogenannten ‚kleinen Mann‘ sein gewohntes Glas Bier nicht rauben, bezeichnet er schlichtweg als erbärmliche Heuchelei.[1] Den Fabrikanten, die er polemisch als „Dividendenschlucker“ tituliert, sei das Wohl des einfachen Volkes völlig gleichgültig.[1] Im Gegenteil würden diese Kreise laut Hitler sofort auf die Produktion von verdünnter Schwefelsäure umstellen, falls sich damit ein noch höherer Profit erzielen ließe.[1] Diese Taschenspielerkunststücke der Industrie wirkten abstoßend.[1]

Auch den Vorwurf der Gegenpartei, eine Prohibition würde die Volksmoral untergraben, weist er entschieden zurück.[1] Dem Vorwärts zufolge beschuldigt er die Hersteller vielmehr, dem Volk oft minderwertigen Fusel zu Wucherpreisen vorzusetzen.[1] Betrinke sich die Masse daraufhin und ziehe grölend durch die Straßen, sei dies kein erhebendes Schauspiel, sondern wahrer „Hoch- und Landesverrat an Bayern“, für den es keine Amnestie geben dürfe.[1]