Die politischen Spannungen der Republik entluden sich am Mittwochabend in Köln wieder in Straßenkrawallen. Nach dem Bericht des Vorwärts kam es im Anschluss an eine Gedenkfeier für den ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Verbänden des „Stahlhelms“ und Anhängern der Linksparteien.[1]
Die Ereignisse begannen auf dem Rückmarsch der rechtsgerichteten Formationen vom örtlichen Bismarckdenkmal, bei dem zuvor eine feierliche Kranzniederlegung stattgefunden hatte.[1] Anlässlich des Geburtstags des Reichsgründers veranstalteten zahlreiche Orte im Reich Gedenkfeiern; so berichtete das Hamburger Echo, dass auch Außenminister Gustav Stresemann eine solche Feier in Annaberg für eine Grundsatzrede nutzte.[2] In Köln geriet das Gedenken jedoch bald in den Hintergrund. Die Stahlhelm-Mitglieder verhielten sich dem Vorwärts zufolge auf ihrem Rückweg durch die Stadt gegenüber Andersdenkenden „unglaublich herausfordernd“.[1]
Diese offene Zurschaustellung von Macht ließ eine Gegenwehr nicht aus. Die provozierten linksgerichteten Passanten und Gruppierungen wandten sich mit großer Entschiedenheit gegen das aggressive Auftreten der vaterländischen Verbände.[1] Daraufhin eskalierte die Lage auf den Straßen Kölns spürbar. Ein andauernder Krawall entwickelte sich, der weite Teile des öffentlichen Raums beeinträchtigte.[1]
Die Kölner Polizei war gezwungen, mehrmals kräftig einzuschreiten, um die kämpfenden Gruppen voneinander zu trennen und die bedrohte öffentliche Sicherheit wiederherzustellen.[1] Diese Vorfälle werfen ein deutliches Licht auf die beständige Bereitschaft radikaler Vereinigungen, nationale Gedenktage für martialische Provokationen zu nutzen.